Pure Evoke Flow: Der Radio-Schrittmacher

Pure Evoke Flow: Der Radio-Schrittmacher

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Mit Spannung wurde der Beitrag des britischen Radioherstellers Pure Digital zum Thema Webradio erwartet. Der Weltmarktführer für DAB-Digitalradios will nun auch beim Thema Internetradio den Ton angeben.

Der optische Auftritt ist ein Beispiel für britisches Understatement. Der Spross einer neuen Radiogeneration nimmt eine Anleihe beim Zigarrenkisten-Schema des Erfolgsmodells Pure

Evoke-1. Der schlichte Auftritt wird immerhin mit einer Prise Lifestyle garniert: Die Frontplatte besteht aus schwarzem Acrylglas. Die fünf Bedientasten sind als Sensortasten ausgeführt. Antenne, Lautsprecher-Abdeckung und der bogenartige Tragegriff wurden kupferfarben eloxiert. Das wirkt wertig und elegant.

 

Evoke Flow: OLED-Display & SensortastenEin Blickfang ist bestimmt die gelbliche OLED-Anzeige. Nein, das ist noch nicht der Vollfarb-TFT von dem Einige träumen, aber nachdem das knackig-blaue Pure-Display mit weißer Schrift tausendfache Nachahmung gefunden hat, setzt das neue Display Akzente. Kontrast und Ablesbarkeit sind sehr gut. Die Display-Helligkeit wird automatisch über einen Außenlichtsensor geregelt. Ein Beispiel für die Liebe zum Detail, die das Flow und weitere Modelle des britischen Herstellers auszeichnet.

Im Stand-by werden Datum und Uhrzeit angezeigt. Beide Schriftzeilen bewegen sich gemächlich und nehmen immer wieder andere Positionen ein – ein Bildschirmschoner auf dem Radio-Display.

Akkubetrieb gegen Gebühr

Flow ChargepakDas Pure Evoke Flow empfängt neben Webradio via WLAN (kein Ethernet-Drahtanschluss vorhanden!) auch DAB/DAB+ auf Band III und L-Band sowie UKW mit RDS. Doch was macht Pure anders, als der versammelte Wettbewerb? Nun, zum Beispiel lässt sich das Pure Evoke Flow mit einem optionalen Akku mobil betreiben. Im DAB- und UKW-Modus fürwahr überall, im W-LAN-Webradiomodus eben nur soweit der W-LAN-Hotspot reicht oder sich ein neuer auftut.

Wir haben den ChargePak genannten Akku ebenfalls zum Test ausprobieren können. Ein 3,7 Volt Akku mit satten 8.800 mAh, einer Kapazität, von der viele Notebooks nur träumen können. Das ChargePak, ein Lithium-Ionen-Akku, kostet verträgliche 49 Euro.

Interaktives Webportal

Ein weiteres technisches Unterscheidungsmerkmal ist die Sender-Datenbank. In "weiß der Kuckuck" wie vielen Stunden haben die Briten exklusiv für das Flow und seine künftigen Nachkömmlinge eine Datenbank aus dem Boden gestampft, die sich ganz entspannt unter www.thelounge.com präsentiert.

Das Lounge-Logo, eine minimalistisch gezeichnete Pool-Liege, findet sich auch im Flow-Display wieder. Sie zeigt, dass persönliche Favoritenordner, die im Internet auf Thelounge angelegt wurden, am Flow direkt abgerufen werden können.

Die Datenbank umfasste zum Testzeitpunkt 8.000 Radiostationen und 2.200 Podcast-Download-Links. In der schieren Masse bieten Reciva, Frontier-Silicon und Vtuner zwar mehr Hörfutter, aber weit wichtiger als die Programmmenge, mit der zwei Ohren so oder so über Jahre hinweg beschäftigt sind, ist natürlich die Trefferquote – und die ist hoch, bei Pures Lounge.

Die neuesten und beliebtesten Stationen werden in Top-Listen geführt, zudem erfasst die Pure-Lounge-Datenbank auch Angaben über die Bitrate und die Sendesprache. Gut ausgedacht ist zudem der Weg zum Wunsch-Sender. Aus Name, Grenre, Land, Sendesprache und Tonqualität lässt sich eine beliebige Filtermatrix erstellen. Wer auf diese Weise spanischsprachige Popsender in den USA sucht, die mit besserer Qualität streamen, wird ratz-fatz fündig.

Eine Menge guter Ansätze kann man im Internet-Portal bewundern. So gibt es redaktionelle Empfehlungen, die allerdings nur am PC abrufen werden können und sich nicht in die Favoriten-Ordner befördern lassen. Interessant ist auch die Verbindung zwischen Evoke Flow und dem Webportal Thelounge. Ist das Flow registriert, lassen sich eigene Verzeichnisse anlegen, die sodann in der Webseiten-Navigation und im Radio gleichermaßen angezeigt werden. Eigene Stream-Adressen können im Internet-Portal unter den Favoriten mit eingegeben werden. Für einige dieser Funktionen mussten wir allerdings die Bedienungsanleitung zu Rate ziehen.

Eine weitere Besonderheit sind die Pure Sounds. Hier lassen sich Hintergrundgeräusche als Endlosschleife abspielen: Probefahrt in einem 1979er Ferrari, schnarchen, ein akustischer Ausflug in einen Schweinestall – in Großbritannien gibt es dafür möglicherweise Liebhaber.

Der Teufel steckt im Detail

Wichtiger ist freilich die Bedienung am Radio selbst. Die Sensortasten sind eigentlich ein Garant für blitzschnelle Bedienung. Wenn das Radio auf dem Schreibtisch steht, ist der Finger-Tastenfeld-Winkel so ungünstig, dass sich die Tasten einfach nicht mit der erforderlichen Fläche erwischen lassen. Das Flow ist das erste Radio, das sich am bequemsten mit den Daumen bedienen lässt.

Die theoretische Maximal-Geschwindigkeit wird zumindest durch den „Zurück-Sensor“ gebremst, der eine übergeordnete Ebene ansteuert. Die Zurück-Funktion beansprucht offenbar viel Steuerlogik und hat deshalb eine irritierende Verzögerung. Die Auswahl aus den Bedienmenüs, mit dem Pure-typischen Dreh-Drückknopf, kann auf satte fünf Menüzeilen zurückgreifen und ist eine sehr übersichtliche Angelegenheit.

In der Praxis stört aber, dass die Drehrastung so gar nicht mit den Auswahlschritten korrespondiert. Klasse hingegen: Die pfiffig-komfortable Datenbankabfrage über verknüpfte Filterregeln steht im Radio 1:1 zur Verfügung und erleichtert die Programmsuche kolossal.

Ist das Evoke Flow der Ansicht, ein Software-Update täte Not, kann sich der Start des Radio jedoch um einige Minuten verzögern. Das Update wird ungefragt durchgezogen. Wer da nur mal eben schnell die Fußballergebnisse hören möchte, hätte besser ein altertümliches UKW-Radio zur Hand gehabt.

Der Mediaplayer verlangt nach einem Medien-Server. Mit Ordnerfreigaben gibt sich das Flow nicht zufrieden. Immerhin steht der Flow-Server (Twonky Music) im Webportal zum Download bereit. Das Programm ist ganz brauchbar. DRM-geschützte Musikfiles können aber nicht wiedergegeben werden. Liest der Medienserver DRM-Dateien ein und versucht man, sie mit dem Flow abzuspielen, hat man eine reelle Chance, sich in der Wiedergabeliste festzulaufen.

Radiovergangenheit und Zukunft an Bord

Natürlich muss an dieser Stelle der eingebaute UKW-RDS- sowie digitale DAB/DAB+-Kombituner erwähnt werden. Man mag fragen, ob man das braucht, denn ein Outdoor-Radio ist das Pure Evoke Flow trotz Akku nicht. UKW kann man bejahen, denn nicht jeder Lokalsender streamt in guter Qualität in den Cyberspace. Bei DAB ist es aber hier zu Lande zumindest fraglich: Beim derzeitigen Digitalradio-Programmangebot in Nordrhein-Westfalen wirkt es verzichtbar. Doch in den kommenden Jahren soll das Angebot an Digitalradio-Programmen tüchtig wachsen. Glasklarer, unterbrechungsfreier Empfang, auch außerhalb der W-LAN-Reichweite könnte dieses Feature noch interessant machen.

Dabei wird man sich in den nächsten Jahren auf das DAB+-Verfahren konzentrieren. Es überträgt die Programme in MPEG4-AAC HE-Verfahren. Das Evoke Flow beherrscht auch das und ist damit für die Zukunft bestens gerüstet. Dabei ist der DAB-Empfang ohne Fehl und Tadel. Zwar ist die Teleskopantenne fest angebaut und Pure vertraut voll auf die automatische Senderabstimmung, aber die Signalempfindlichkeit stimmt.

Auch mit dem UKW-Empfänger kann man ganz gut leben. Zwar serviert man dabei weder eine invernalische Empfindlichkeit noch eine Rasiermesser-scharfe Sendertrennung, aber die gewählten Parameter stehen in einer harmonischen Beziehung zueinander. Im Endeffekt wird man alle Wunschsender ohne großes Rauschen empfangen.

Klingt rund bis in den tiefen Grund

Das Flow beherrscht die Bühne Angesichts des kleinen Gehäuses und eines nicht gerade üppig dimensionierten Lautsprechers wird man vom Klang des Evoke Flow positiv überrascht. Es tönt verblüffend warm und präsentiert eine vorbildliche Abstimmung aus Tiefton-Fundament, präsenten Mitten und einem Übergang in die höheren Tonlagen, der Respekt verdient.

Im Resultat werden akustische Gitarren gut dargestellt, Trompeten und Saxofone klingen recht realistisch und sogar geschlagenes Blech zischt die Vorstellung nicht dominant zusammen. Wer will, der kann für 59,99 Euro noch einen Zusatzlautsprecher erwerben. Müßig zu erwähnen, dass der Lautsprecher - optisch und klanglich - gut mit dem Radio harmoniert.

Unterm Strich

Das britische Fachmagazin „What HiFi“ urteilte, das Pure Evoke Flow sei die Radioinnovation des Jahres. Wir halten es zumindest für ein sehr ambitioniertes Webradio-Projekt. Vom Start weg hat Pure mit seiner interaktiven Plattform Großes vor. Doch geht es uns nicht um die „totale Featureritis“, sondern um die Nutzbarkeit und Qualität des Gesamtangebots. Die Bedienbarkeit der Webplattform und auch der Hardware zeigt zwar bereits interessante neue Funktionen, doch ist die Umsetzung noch längst nicht perfekt. Funktion, Ausstattung und Zukunftssicherheit des Evoke Flow als technische Plattform des Radios von morgen liefert einen Grund für seinen relativ hohen Preis. Die Verarbeitung ist einwandfrei, der Klang ansprechend und die Qualität und Geschwindigkeit der Datenbank ordentlich.

Das Webportal thelounge.com ist zugleich der Befreiungsschlag eines Radioherstellers, der die einwandfreie und dauerhafte Funktion seines Produktes nicht in die Hände eines Drittanbieters legen möchte. Soweit, so respektabel und wir empfehlen das Flow gerne denjenigen Radiohörern, die Lust haben, die Interaktion mit dem Webportal auszukosten. Der Zusatzlautsprecher ist Geschmackssache, aber den leistungsfähigen Akku würden wir auf alle Fälle haben wollen. Summiert sich dann insgesamt auf schmerzhafte 300 Euro.

  • DAB-Radio mit Band III- und L-Band-Empfang für DAB und DAB+
  • UKW-Radio mit RDS
  • WLAN: 802.11b / 802.11g, WEP oder WPA/WPA2 Verschlüsselung.
  • Audioformate: MPEG: 8kbps–320kbps (MPEG-1-Layer-III, MPEG-2-Layer-III und MPEG 2.5-Layer-III). WMA: 64kbps–385kbps (WMA4, WMA7, WMA8 und WMA9, inklusive VBR & CBR). AAC: 16kbps–320kbps. Real Audio: 8kbps–96.3 kbps.
  • Media streaming: UPnP Mediaserver erforderlich. Flow Server software kann nach Registrierung unter www.thelounge.com bezigen werden.
  • Audioleistung: 7 Watt RMS .
  • Eingänge: 6V DC Netzteil (mitgeliefert), ChargePAK E1 Anschluss (Akku nicht im Lieferumfang), 3.5mm Line-in, USB (mini-B type) für Firmware-Updates.
  • Ausgänge: 3.5mm Kopfhörer, 3.5mm Line out, 3.5mm für Zusatzlautsprecher (Zusatzlautsprecher nicht im Lieferumfang).
  • Stationsspeicher: 30 DAB, 10 FM und unbegrenzte Internetradio Favoriten
  • Display: 128 x 64 Bildpunkte, automatische Helligkeitsregelung, OLED-Technik
  • Abmessungen (mm): 175 H x 210 B x 110 T
  • Antennen: Teleskopantenne (fest installiert), intere L-Band-Antenne, interne Wi-Fi-Antenne.

 

Mitglied seit

8 Jahre 6 Monate
Erstellt von Noepes 8 Juni, 2010 - 20:54

Die Besprechungen hier bei rein-hoeren.de und weitere Recherchen und nicht zuletzt das interessante Design des Pure Evoke Flow haben mich veranlasst, das relativ teure Gerät nebst Akku und Zusatzlausprecher zu bestellen.

Das erste Gerät ließ sich im Netzbetrieb nicht ausschalten, bzw. schaltete sich nach wenigen Sekunden wieder an; im Akkubetrieb nicht. Ich bekam schnell und unbürokratisch ein neues Gerät (Zuerst bekam ich das neue Gerät, dann hab ich das alte zurückgeschickt. Man beachte die Reihenfolge!). Das war im Oktober letzten Jahres.

Das zweite spinnt nun seit einigen Wochen, genauer im Akkubetrieb zappelt das Display, die Reihen verschieben sich, dann die Pixel, dann - nach ca. 30 Minuten - ist gar nichts mehr zu erkennen weil das Display komplett abgeschaltet hat. Wieder am Netz klappt dann wieder alles.

Ich hab's jetzt eingeschickt, wenn danach alles funktioniert - ok, wenn nicht bin ich "not amused".

Design, Klang, Verarbeitung sind sehr gut. Die Bedienung (Menüführung) bietet Raum für Verbesserungen; trotz der seit einiger Zeit installierten Sprache Deutsch. Das man Bässe und Höhen nicht regeln kann finde ich befremdlich.

Alles in allem für viel Geld viel Radio und (im Moment noch) viele Probleme.

Mitglied seit

8 Jahre 5 Monate
Erstellt von HenniVID 1 Juli, 2010 - 21:20

Antwort auf von Noepes

Hi!

Auch ich hatte mir vor rund 3 Monaten einen Pure Evoke Flow mit ChargePAK und der Fernbedienung Reach F10 geholt. Ich bin inzwischen beim dritten Evoke Flow. Alle mit Displayfehler. Offensichtlich hat Pure seit Ende 2009 mit der Herstellung des Evoke Flows einige Probleme. Ich habe anstatt es ständig durch Amazon austauschen zu lassen bei Pure direkt in England angerufen. Ich bekomme nun kostenlos einen "upgrade" und werde jetzt ohne Zuschlag das Pure Sensia erhalten...

Also wenn das kein Service ist!

Eigentlich schade, denn das Radio fand ich nahezu perfekt für meine Zwecke...

Gruß

P.S.: Dies ist ein Forum (http://www.yournetradio.com/) in dem auch Pure Support Leute helfen und aktiv die Community unterstützen...