„Fritz!WLAN Repeater“ als Internetradio

„Fritz!WLAN Repeater“ als Internetradio

Ort/Quelle
Mülheim, Bonn/rh

Wir hatten schon vor einiger Zeit berichtet, dass sich der „Fritz!WLAN Repeater“ des Berliner Unternehmens AVM nach einem Update als Internetradio genutzt werden kann. Die ungewöhnliche Funktionsvielfalt zusammen mit dem ungewöhnlichen Design für ein Internetradio machen das „Fritz!WLAN Repeater“ zum idealen Testgerät.

Der „Fritz!WLAN Repeater“ ist ursprünglich als Reichweitenverstärker für ein eigenes WLAN entwickelt worden, wenn Stahlträger und Beton die Ausdehnung der Wellen des eigenen Funk-LANs beschränken.
Es ist daher nicht weiter verwunderlich, dass das Gerät schnörkellos daher kommt: In der Verpackung ist nichts weiter als der Repeater und ein kurz gehaltenes Handbuch. Einstöpseln lässt sich der Repeater direkt gin eine Steckdose. Die Konfiguration erfolgt per WLAN über ein Konfigurationsmenü des Repeaters.

Einrichtung

Für die Verwendung des Repeaters mit einem Hotspot gibt es drei unterschiedliche Methoden; unabdingbare Bedingung für den Betrieb ist jedoch ein Hotspot mit automatischer Vergabe von IP-Adressen (DHCP).

Wer Windows als Betriebssystem in den Varianten XP, Vista oder 7 einsetzt kann auf einen Online-Assistenten zurückgreifen: Der Netzwerkname, die SSID, des WLAN-Hotspots muss für die Einrichtung auf sichtbar gestellt werden, zudem ist ein Zugang zum Internet nötig, um den Einrichtungsassistenten von der Herstellerseite (www.avm.de/repeater) herunterzuladen.

Besonders einfach ist auch die zweite Variante, bei der man über eine Fritz-Box WLAN 3270, 7240, 7270 oder einen anderen WPS-fähigen Hotspot verfügen muss. WPS steht für ein WiFi-Protected-Setup. Weitere Voraussetzungen sind, die jeweils aktuelle Firmware auf den entsprechenden Fritz-Hotspots und die Aktivierung der WPS-Funktion. Darüber hinaus muss auch bei dieser Variante die SSID gesendet werden und der Access-Point muss den Verschlüsselungsmodus WPA/WPA2 verwenden. In der eigenen Fritz-Box kann über die „Push-Button“-Methode eine automatische Installation der Geräte untereinander angestoßen werden. Wie im Detail vorzugehen ist, erklärt die kurze, aber aussagekräftige Anleitung Schritt für Schritt genau.

Zuletzt bleibt noch die manuelle Konfiguration für alle übrigen Systemvoraussetzungen; der Verschlüsselungsmodus WPA am eigenen Hotspot ist allerdings auch dabei Voraussetzung. Für uns kam bei der Verwendung mit einer alten FritzBox 7050 nur die Einrichtung über das Webinterface des Repeaters infrage. Über einen beliebigen Internetbrowser kann der Repeater mit fritz.repeater in der URL-Zeile angesprochen werden; die Einrichtung des Repeaters erfolgt durch den dann automatisch erscheinenden Assistenten. Auch dort hilft ein selbsterklärender Assistent bei den erforderlichen Einstellungen.

Internetradio-Funktion

Benötigt wird für die Internetradio-Funktion die aktuelle Firmware-Version. Unser Testmuster wurde mit der Version 68.04.83 getestet. Möglich ist sowohl ein automatisches Update, als auch das Herunterladen der aktuellen Firmware aus dem Produktbereich der Hersteller-Homepage. Über das Konfigurationsmenü lässt sich dann das Firmware-Image laden. Wenige Minuten später ist der Repeater fit für das Webradio. Unter dem Menüpunkt „Audio“ erscheint als neue Option „Internetradio“. Fünf Stationen sind Hersteller-seitig vorbelegt (Deutschlandfunk, Eins Live Diggi, Dradio Kultur, Sputnik Livestream und Swissgroove). Weitere Stationen – insgesamt maximal 20 - können hinterlegt werden.

So wirklich universell praktisch ist das zwar nicht, doch immerhin lassen sich so bis zu 20 Stationen, die nicht auf UKW zu kriegen sind, einspeisen. Der „Fritz!WLAN Repeater“ besitzt eine berührungsempfindliche Anzeige mit drei so genannten Touch-Punkten, über die Einstellungen vorgenommen werden können: Links unten steht für zurück, rechts unten für vorwärts und die mittig angeordneten Touch-Punkte stehen für die Aktivierung einer angezeigten Option. Die bis zu 20 Internetradio-Stationen können unter anderem am Touch-Display des Repeaters durchgeschaltet werden.

Die Bedienung über die Touch-Punkte des Displays ist ausgesprochen sperrig und mühsam. Immerhin, einmal eingerichtet, kann der PC ausgeschaltet bleiben. Der Repeater ermöglicht den autarken Webradioempfang.

Musikwiedergabe

Zur Wiedergabe von konservierten Musikbeständen der PC-Festplatte benötigt man eine kleine Zusatzsoftware, die sich Audio-Brücke nennt. Sie ermöglicht es, Audioausgaben an den Repeater weiterzuleiten, der seinerseits die Signale an die Stereoanlage liefert. Dabei müssen die Tonkonserven am PC durch den bevorzugt verwendeten Audioplayer wiedergegeben werden. Weder kann man die Titelabfolge aus der Ferne steuern, noch kann man einen UPnP- Audiostreamingserver einer Netzwerkfestplatte benutzen und den eigentlichen PC herunterfahren.

Um diesen Nachteilen Herr zu werden hat der Hersteller AVM noch eine weitere Funktion nachgeliefert. So kann nun entweder der Fritz-eigene Mediaserver verwendet werden oder über die NAS-Funktion ein externer Mediaserver eingebunden werden. Das Problem der fehlenden Titelsteuerung lässt sich mit mit modernen Smartphones umgehen. Hier kann man das Mobiltelefon ins WLAN einbinden. Mit Software zur Steuerung von UpnP-Servern lassen sich so auch die Medienserver wie TwonkyMedia bei abgeschaltetem PC fernsteuern.

Für die Wiedergabe über die Stereoanlage besitzt das Gerät zwei Ausgänge – die einzigen am Gerät überhaupt -, erfreulicherweise nicht nur einen analogen 3,5-mm-Klinkenanschluss, sondern ebenso einen digitalen Ausgang (S/PDIF).

UKW-Minisender

Ein UKW-Radio bekommt die Audiosignale dagegen über den im Repeater enthaltenen UKW-Minisender zugeleitet. Die passende, freie UKW-Frequenz wird automatisch gesucht oder kann manuell über das Webseiteninterface eingestellt werden. Die Tonausgänge lassen sich über den Touch-Punkte zur Not auch am Repeater selbst ein- und ausschalten. Trotzdem besteht das Risiko, dass der Repeater tagelang eine Radiostation streamt, ohne dass die Wiedergabe über ein Radio oder einen Stereoverstärker erfolgt. Man kann den laufenden Stream einfach vergessen.

Liegt kein Audiosignal an, macht der Repeater auf UKW mit einer Sputnik-artig piepsenden Tonbake auf sich aufmerksam.

Der UKW-Sender ist ausgesprochen gut ausgelegt. Die rauschfreie Reichweite des UKW-Senders beträgt etwa 5 - 8 Meter.

Anwendungsmöglichkeiten genau prüfen

In der Bonner Redaktion hätten wir keine sinnvolle Verwendung der neuen Audiofunktionen. Ob drahtlose oder drahtgebundene Kontaktaufnahme zur Stereoanlage, durch die verteilte Bedienung am Repeater oder am PC müsste der Repeater in Kabelreichweite am Ort des Wiedergabegerätes stehen. In Bonn steckte der Repeater auf halber Strecke zwischen Büro und Hörraum, irgendwo im Flur. Da muss er hin, wenn er die WLAN-Reichweite erweitern soll.

In Mülheim hingegen wäre eine Platzierung des Reapeaters in der Küche denkbar. Dort kann das Audiosignal in das Küchenradio eingespeist und zugleich die WLAN-Reichweite bei Bedarf in den Garten verlängert werden.

Wer also wegen der Audio- und Internetradiofunktion mit dem „Fritz!WLAN Repeater“ liebäugelt, sollte seine Platzierungsmöglichkeiten genau prüfen.

Die Klangqualität der Musikübertragung ist ordentlich, wobei der UKW-Übertrager bei der Pegel-Aussteuerung und im Klang der Drahtverbindung klar unterlegen ist.

Reichweitenverlängerung

Kanalbelegung und StörsituationAls WLAN-Repeater arbeitet der kleine AVM-Stecker tadellos. In die Mitte des Übertragungsweges gesteckt, stieg bei unserem Laptop die Signalstärke von -86db/m auf -60db/m an. Auf der 54 MBit-Funkverbindung stieg so der maximale Brutto-Datendurchsatz von schlappen 12 MBit auf gescheite 34 MBit an. Auf der PC-Bedienoberfläche lässt sich der Datendurchsatz zudem gezielt für IPTV-Anwendungen optimieren. In der Praxis sollten Mediendatenströme bei der Bandbreitenzuteilung bevorzugt behandelt werden. Die Sendeleistungen kann automatisch geregelt werden.

Bei den Funkeinstellungen überwacht ein Tool die tatsächliche Kanalsituation. Das Webinterface zeigt auch an, wie sich die Störeinflüsse von benachbarten Funkkanälen aufsummieren. In unseren Beispielfoto ist der Kanal 4 sicherlich nicht die beste Wahl.

Die Funktion zeigt auch, dass der WLAN-Repeater seine Sendeleistung auf 40 MHz Bandbreite streut. Die Kanäle im üblichen 2,4 GHz-Bereich (802.11b/g) sind aber nur 20 MHz breit. Die 40 MHz-Bandbreite wird eigentlich nur im superschnellen 802.11-n-Modus auf 5 GHz benötigt.  In der Onlinedokumentation zum Repeater heißt es hierzu: Der Repeater versucht immer einen 40 MHz-Kanal zu belegen. Ist das aufgrund der Nachbarkanalsituation nicht möglich, schaltet er auf 20 MHz herunter. AVM beruhigt uns allerdings mit der Aussage, dass beim Betrieb mit den vorherrschenden WLAN-Routern des 802.11g-Standards auch keine 40 MHz breiten Kanäle belegt werden.

Fazit

Als WLAN-Verbesserer empfiehlt sich der „Fritz!WLAN Repeater“ durch seine gute Funktion und durch seine kompakte Gehäuseform. Geht es aber rein um den Preis für einen WLAN-Repeater, kommt die Anschaffung eines gebrauchten weiteren WLAN-Acesspoints des gleichen Herstellers bestimmt günstiger. Eine alte FritzBox 7050 kann zum Beispiel als Repeater für eine neuere 7170 herhalten, nur wirklich elegant ist eine solche Installation auf dem Küchenschrank oder der Garderobe wahrlich nicht. Geht es um die Musikverteilfunktion, ist ein „Fritz!WLAN Repeater“ sogar ohne Alternative. Und genau deshalb ist der Fritz-Repeater trotz seines erfurchterbietenden Preises von fast 100 Euro – zugegebenermaßen nur in der unverbindlichen Preisempfehlung - für viele Nutzer aus gutem Grund erste Wahl.

Steckbrief

  • Internetradio (WLAN)
  • Integrierte WLAN-Antennen
  • Anschlüsse: Digitalausgang (S/PDIF), 3,5-mm-Klinkenausgang
  • WLAN-Sicherheit: WPA/WPA2
  • Stromversorgung: 230 Volt
  • Stromverbrauch: 3 Watt (WLAN), 3 Watt (Stand-by)
  • Abmessungen (B x H x T): 76 x 101 x 76 mm
  • Gewicht: 150 Gramm
  • Preis (UVP): 98,00 Euro

Mitglied seit

9 Jahre 11 Monate
Erstellt von hörwurm 30 Juni, 2010 - 14:48

Ich interessierte mich für den Radiorepeater. Danke für den Test, hatte sonst nirgends was gescheites dazu gefunden. Jetzt weiß ich, dass ich den Repeater nicht sinnvoll einsetzten kann. Hat mir rund 80 Euro gespart.

Mitglied seit

9 Jahre 6 Monate
Erstellt von gretchen_hn 30 Juni, 2010 - 16:22

Ich habe da mal eine ganz andere Frage. Irgendwo hab ich gelesen, das dieses N-WLAN besser wäre. Nicht nur schneller, sondern mehr Reichweite erzielt. Stimmt das?
Ich will mir einen WLAN-N-Router kaufen. Vielleicht brauche ich dann ja gar keinen Repeater mehr und ein Radio spielt auch im Dachgeschoss.

Mitglied seit

10 Jahre 1 Monat
Erstellt von Mario Gongolsky 30 Juni, 2010 - 16:29

Antwort auf von gretchen_hn

In der Theorie ist das 801.22-N-Signal robuster, weil es über mehrere Paralleldatenströme verteilen kann (MIMO). Allerdings haben wir noch nicht gestestet, ob sich der Effekt vielleicht auf 5,6 GHz innerhalb von Gebäuden egalisiert.

Für Ihr WLAN-Radio bringt der N-Standard aber nichts. Der N-Router kommuniziert mit dem WLAN-Radio nur in der alten Norm 802.11g. Die Vorteile des N-Standards werden so überhaupt nicht genutzt.

WLAN-Radios mit Funkmodulen die den N-Standard unterstützen sind uns derzeit nicht bekannt.