Sangean DPR-34plus gegen Pure Move 2500: Digital-Transistoren

Sangean DPR-34plus gegen Pure Move 2500: Digital-Transistoren

Ort/Quelle
Bonn/rh

Mit dem Transistor wurde das Radio einst mobil. Die zwei neuen Taschenspieler für den DAB/DABplus-Digitalradioempfang machen die neuen Radioprogramme überall hörbar. Flüssig in der Bedienung und ausdauernd bei der Akkuleistung, hinterlassen beide Modelle einen guten Eindruck.

Dass die Firma Pure es wagt, wie eine Designkopie des ersten Ipod daher zu kommen, sollte bei Apple nicht für Aufregung sorgen. Apple ist längst an der britischen Radioschmiede beteiligt und hat für diesen Vorstoß garantiert grünes Licht gegeben. Und so präsentiert sich das Move 2500 mit der millionenfach bewährten Bedienschematik aus Drehring und Auslöseknopf. Bei Apple waren beide Elemente als Sensortaste ausgelegt. Pure verwendet hingegen eine mechanische Ausführung.

Dagegen verströmt das Sangean DPR-34plus eher den spröden Charme eines Kassettendiktiergeräts. In der Bedienpraxis entpuppt sich diese Auslegung erstaunlicherweise nicht von Nachteil.

Der Qualitätseffekt des Pure Move 2500 profitiert beim ersten Handkontakt von der Aluschale an der Front und der verchromten Metallrückseite. Da zieht Sangean mit seinem Vollkunststoffgehäuse erst einmal den Kürzeren. In Länge und Breite sind die Radios quasi gleich groß, das Sangean ist allerdings fast doppelt so dick. Die Bauhöhe benötigt es, damit die Seitenschalter-Bedienung komfortabel klappt. Der entscheidende Unterschied des Sangean ist ohne Zweifel der eingebaute Lautsprecher. Auch dafür braucht das Gehäuse mehr Raum. Zusätzlich hat das Sangean DRP 34plus eine kleine ausziehbare Miniteleskopantenne zu bieten. Mit ihr klappt der Empfang von DAB und UKW auch ohne angeschlossenen Kopfhörer. So gesehen darf das Sangean DPR 34plus als digitaler Nachfahre des Regency TR1, dem ersten kommerziellen Transistorradios aus dem Jahre 1954, betrachtet werden. Das Pure Move 2500 ist hingegen ein Ipod ohne Ipod. Gediegen in der Qualität, aber trotzdem etwas weniger Radio als das Sangean, weil man Radio und Musik manchmal miteinander teilen will. Das Move ist hier also eher das Modell für Einzelgänger.

Ohrhörer mangelhaft

Bei Pure muss man nach der ersten Inbetriebnahmen einen weiteren Dämpfer einstecken. Der mitgelieferte Ohrhörer sieht schick aus, klingt aber erbärmlich schlecht. Diesen Ohrhörer hat das Move 2500 wirklich nicht verdient. Schon für 15 Euro kann man weitaus besser klingende Ohrhörer bekommen. Bei einem 130 Euro-Radio muss ein besserer Ohrhörer drin sein. Für das gleiche Geld bekommt man bei Sangean einen Minilautsprecher, der gewiss nicht schlechter klingt, als der Pure Ohrhörer. Der serienmäßige Sangean-Ohrhörer ist aber allenfalls eine Spur besser, als die Pure-Beilage. Die Note befriedigend erreicht auch der trommelfellnahe Schallwandler der Taiwanesen nicht. Traurig ist das.

Erstaunlich gute Empfangsleitungen

Praktisch Gleichstand herrscht bei den Empfangsleistungen. Die Empfangsempfindlichkeit ist bei beiden Kontrahenten gut. Auf UKW haben wir in Bonn auf die schwächsten Stationen abgestimmt und – das stimmt positiv – sie wurden alle wiedergegeben. Das Uni Radio 96,8 lief sofort mit RDS-Anzeige ein, Big FM auf 104,9 kommt mit ganz wenig Rauschen ohne RDS durch, für RPR 1 auf 103,5 reicht es zum störungsfreien Monoempfang. Viele DAB-Kofferradios stellten sich bei RPR 1 schon völlig auf taub. Die Taschenspieler machen ihre Sache wirklich gut. Obwohl beim Sangean offenbar auch im Ohrhörerbetrieb die Telekopantenne mit geschaltet bleibt, ergibt sich für das Sangean daraus kein nachweisbarer Empfangsvorteil. Hübsches Detail: Die kleine Teleskopantenne ist als Knickschutz in alle Richtungen federnd gelagert.

Bei Pure legt man Wert auf hohe Batterielaufzeiten. Deshalb wird hier nur ein Standard-LCD als Anzeige verwendet. Im Tageslicht lässt sich das Display ohne Hintergrundlicht ablesen. In der Praxis hatten wir das Radio auch auf einer Tour von NRW nach Thüringen in die Autostereoanlage eingebunden. Über zehn Stunden lief das Radio nonstop im DAB-Betrieb. Über 30 Mal wurde der automatische DAB-Suchlauf gestartet, der durchaus etwas Energie zieht. Erst nach knapp 17 Stunden ist im Test das Ende der maximalen Laufzeit erreicht. Das DPR-34plus verwendet ein beleuchtetes und zudem auch etwas großformatigeres Display. Für ältere Nutzer macht sich die Buchstabengröße bestimmt positiv bemerkbar. Wir haben hier ein Ausstellungsstück mit halber Akkuladung bekommen. Auch das läuft und läuft: Ende offen. Die praxistauglichen Laufzeiten werden durchweg über hochwertige Lithium-Polymerzellen bereitgestellt. Trotzdem ist DAB und Batteriebetrieb heute gar kein Problem mehr.

Gut bedienbar

Das Sangean liegt ausgesprochen gut in der Hand und lässt sich flüssig an einem seitlichen Rändelschalter bedienen. Aufwärts, abwärts, drücken. Ganze drei Schaltrichtungen reichen, um in alle Menüs zu gelangen. Bei Pure gibt es die Druckpositionen oben, unten, rechts, links auf dem Drehring und einen mittigen Auslöseknopf. Also fünf Positionen. Links können alle Funktionen zu den Sendereinstellungen getätigt werden, rechts kommt man in die Favoritenliste, oben in das Menü der Einstellungen, unten schaltet man zwischen DAB und UKW um. Die Maßnahme soll Ordnung in die Menüs bringen. Und doch überlegt man immer: Wo ist der Suchlauf?

In der Praxis bedient sich das Sangean keinen Deut schlechter. Seltener benutzte Funktionen werden gefunden, wenn man den Rändelschalter etwas gedrückt hält. Das prägt sich so schnell ein, dass man das Radio in Grundfunktionen mit der Hand in der Manteltasche bedienen kann.

Einen Pluspunkt kann Pure dann doch noch verbuchen: Das Move 2500 hat einen USB-Port. Er dient als alternative Stromzuführung und ermöglicht die Akkuladung am PC und Laptop. Zugleich lassen sich hierüber auch Softwareupdates einspielen. Sangean fehlt ein USB-Port. Der Pure-Akku ist zudem ohne Werkzeug schnell zugänglich. Bei Sangean ist das schwieriger.

Fazit

Man sollte bei dem Preis ruhig anspruchsvoll sein. Unverständlich, dass beide Hersteller bei den Ohrhörern aus Kostengründen soviel Klanggüte nicht abrufen. In Leistung und Ausstattung liegen die beiden Modelle ganz dicht beieinander. Das Pure Move 2500 überzeugt mit USB-Anschluss für Updates und einem gediegen verarbeiteten Gehäuse. Das Sangean DPR34plus kommt etwas rustikaler daher, gibt aber mit eingebautem Lautsprecher ein echtes tragbares Taschenradio ab. Insgesamt haben sich beide Miniradios 4-Wertungssterene verdient. Das Ergebnis endet in einem Remis: Die Kaufentscheidung bleibt eine reine Geschmacksfrage.Während das Pure Move im Handel für 130 Euro angeboten wird, lässt sich das Sangean DPR 34+ problemlos für rund 100 Euro an Land ziehen.

Radios bei Amazon.de bestellen:

Mitglied seit

7 Jahre 4 Monate
Erstellt von radiohead 7 November, 2011 - 07:41

Erstaunlich, dass kein einziges Wort erwähnt wird, dass beim Sangean mit leiser Lautstärke im DAB/DAB+Betrieb ein störendes Rattern zu hören ist. Ein No-Go für ein DAB-Radio!

Oder wurde dieses massive Problem nun bei späteren Produktionen behoben? Welches Fabrikationsdatum steht auf der Rückseite des getesteten Sangean?

Mitglied seit

10 Jahre 1 Monat
Erstellt von Mario Gongolsky 7 November, 2011 - 17:50

Antwort auf von radiohead

Ich habe das Radio schon wieder im Paket. Nein, ich habe in diesem Punkt kein Problem festgestellt.