Digitalradio: Zu früh, zu spät, vorbei?

Digitalradio: Zu früh, zu spät, vorbei?

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Für HD-Radio wird nun auch der Schweizer Markt als Chance gesehen. Österreich glaubt, die Zeit für DAB sei noch nicht gekommen, in Deutschland will man das Thema nach Jahren der Diskussion am liebsten begraben.

Nun soll auch die Schweiz in den Genuss von HD-Radio kommen. Der Privatradioverband VSPR unter Vorsitz von Jürg Bachmann übrigens, legt besonders den Lokalradios HD-Radio ans Herz. Deren Verbreitungsgebiete werden durch DAB derzeit nicht berücksichtigt. Da ist immerhin etwas dran. Wie man aber DRM+ und HD-Radio auf UKW zusammenbringen will, bleibt vorerst unklar.

Beim Medienregulierer BAKOM hieß es es dazu noch im Januar 2009: „Wir haben uns entschieden, bei HD-Radio eine Follower-Strategie zu verfolgen. Wir beobachten also, ob HD-Radio in Europa ein Thema wird. Eine Freigabe von UKW-Frequenzen für den HD-Radio-Betrieb steht bei uns derzeit nicht zu Diskussion.“ Angesichts dieser Aussage muss man sich wirklich Fragen, wo die Frequenzwächter eigentlich hingeschaut haben, denn HD-Radio ist in Europa tatsächlich kein Thema.

Genügend Interessenten

Dass es in der Schweiz Interessenten für HD-Radio gibt, ist über die Konzessiongesuche und die Interessenbekundungen zu DABplus gut dokumentiert: Pilates, Top, ZüriLive, Radio Argoria, Radio Z, Espace Radio Media AG, Radio Basel 1, Radio Grischa und Radio Fribourg; alle haben sie ein grundsätzliches Interesse an einer Digitalisierung der UKW-Frequenzen mittels HD-Radio zu Protokoll gegeben. Darüber wollte das BAKOM offenbar nicht hinweg gehen.

100 Millionen machen Tote lebendig?

In Deutschland hat der Präsident der Bayerischen Landesmedienanstalt gefordert, das Bundeswirtschaftsministerium solle aus Erlösen der Digitalen Dividende 100 Millionen Euro für die Digitalisierung des Hörfunks in Deutschland bereitstellen. Das Geld solle den Privaten zu Gute kommen. Kann man aber einen Markterfolg von DABplus mit Bundesmitteln erkaufen?

Eher nicht, denn der VPRT-Boss Jürgen Doetz polterte bei den Münchner Medientage hörbar mit der Äußerung: „DAB ist tot, toter geht’s nicht”. Die Zukunft ist halt einfach das, was morgen kommt. Internet vielleicht. Kein Rundfunk zwar, aber doch eine Plattform mit rosiger Zukunft.

Kein Alleingang in Österreich

In Österreich hält man hingegen die Zeit für DAB noch nicht für gekommen. Die Regulierungsbehörde RTR will angesichts der deutschen Situation „keinen Alleingang“ mit DABplus riskieren. Möglicherweise kaschiert diese Haltung aber nur den Umstand, dass die ORF zu klamm ist, um einen Simulcastbetrieb zu finanzieren.