Starwaves Softradio: DAB+ und DRM mit Android-Smartphone oder -Tablet

By Mario Gongolsky, 20 Januar, 2026
Ort/Quelle
Schönwalde-Glien
Starwaves Softradio

Vor fast 15 Jahren haben wir an dieser Stelle bereits mit DVB-T-USB-Sticks experimentiert. Zeit für ein Update. Die heute verfügbaren RTL-SDR-Sticks sind in der Lage, ab 100 kHz auf Empfang zu gehen. Sie eignen sich nicht nur für UKW oder DAB, sondern auch für Lang-, Mittel- und Kurzwelle. SDR ist eine Abkürzung für „Software Defined Receiver“: Eine Software bestimmt die Funktionalität des Empfängers. Doch ist das auch etwas für Digitalradio-Hörer?
Ausgangspunkt der Versuche war das DRM/DAB+-Softradio der Firma Starwaves. Dort hat man sich mit viel Leidenschaft um das Thema digitale Kurzwelle (Digital Radio Mondiale, DRM) verdient gemacht. Vor rund zwei Jahren veröffentlichte Starwaves eine Android-/iOS-Lösung, die den DRM-Empfang mit einem RTL-SDR-Stick ermöglichte. Ende 2024 legte Starwaves eine Kombiversion für DRM und DAB+ nach. Der Preis von 12,99 Euro ist nicht wenig für eine Android-App. Da jedoch bereits die DRM-Only-Version einen sehr guten Eindruck hinterließ, musste die Kombiversion mit DAB+ natürlich ausprobiert werden.

Die Testanordnung

Beim SDR-Stick fiel unsere Wahl auf den US-kanadischen Hersteller Nooelec mit seinem NESDR. Kostenpunkt: etwa 45 Euro. Alternativ bietet sich der originale RTL-SDR V5 an. Andere Modelle sind nicht zu empfehlen. Beide Versionen können als Direct Sampler betrieben werden und decken den Frequenzbereich von der Kurzwelle bis hinauf zu 1.750 MHz ab.

Als Smartphone diente ein fünf Jahre altes Xiaomi mit Android 12. Ein Oldtimer, aber mit einem schnellen Snapdragon-Octacore (2,3 GHz) und 8 GB RAM gut gerüstet. Der große 5.100-mAh-Akku ist ebenfalls hilfreich, da der RTL-Stick seinen Strom direkt über das Smartphone bezieht.

Um den RTL-Stick mit dem Smartphone zu verbinden, benötigt man ein USB-OTG-Kabel („On The Go“). Auf der einen Seite wird es per USB-C mit dem Smartphone verbunden, am anderen Ende befindet sich eine normale USB-B-Buchse, wie man sie vom PC kennt. Dort wird der RTL-SDR-Stick eingesteckt.

Für Leistungsvergleiche stand zusätzlich ein PC bereit, an den ebenfalls der RTL-Stick angeschlossen werden konnte. An derselben Außenantenne (aktive magnetische Loop, 100 cm Durchmesser) traten ein „echter“ SDR (SDRplay RSPdx, ca. 280 Euro) und der 45-Euro-RTL-Stick gegeneinander an.

Als Antennen kamen neben der Loop-Außenantenne auch eine Albrecht Mini-Mag-Scannerantenne im Zimmer zum Einsatz.

Digitale Kurzwelle mit dem Starwaves Softradio

Was Starwaves hier anbietet, ist bewusst reduziert, dadurch aber gut verständlich und übersichtlich. Zunächst benötigt das Smartphone – wie bei jeder RTL-kompatiblen Software – einen Treiber zur Steuerung des Empfängers. Der „RTL-SDR-Treiber“ von Signalware aus dem Play Store eignet sich hierfür ideal. Danach installiert man das Starwaves Softradio und steckt den RTL-Stick ein. Der Treiber startet, und das Starwaves-Programm übernimmt automatisch.
Für das Starwaves Softradio muss eine mutmaßlich aktive Frequenz eingegeben werden. Es gibt keinen Suchlauf und keine kontinuierliche Frequenzabstimmung, sondern ausschließlich eine Frequenztastatur. Den notwendigen DRM-Sendeplan findet man unter https://www.drm.org/drm-in-the-world/broadcast-schedule/

Wird ein Signal erkannt, springt die Antennenanzeige auf Gelb oder Grün, und der Empfang setzt ein. Unter „Erweitert“ kann man sich das Spektrum anzeigen lassen und den Empfangspegel beurteilen. Bei Bedarf lässt sich das Signal um 1 bis 30 dB anheben – hier gilt allerdings: Nicht übertreiben, um eine Übersteuerung des SDR-Sticks zu vermeiden.

Wie bei UKW erscheinen auf der Hauptseite Sendername und Sprache. Zusätzlich können bei DRM erweiterte Textinhalte ausgestrahlt werden, ähnlich einer Webseite. Dieser Dienst heißt „Journaline“. DRM-Sendungen können sowohl in Mono als auch in Stereo erfolgen. Im Bild sieht man die Journaline-Seite des experimentellen DRM-Senders Waldheim (Baden-Württemberg), der zur Jahreswende aktiviert wurde.

In der Praxis punktete die Starwaves-Software mit dem Nooelec-Stick vor allem dann, wenn ein starker Sender auf einem Nachbarkanal lag. Unter diesen Bedingungen funktionierte der Empfang teilweise besser als beim PC-SDR.
Bei langsamem, tiefem Fading – wenn die Signalstärke an- und abschwillt – bietet der größere SDRplay mehr Abstand zwischen Nutzsignal und Rauschen, ohne jedoch einen durchschlagenden Vorteil zu erzielen. Erst bei sehr schwachen Signalen, etwa aus China auf freien Frequenzen, zeigte sich der Unterschied deutlich: Während der Nooelec-Stick nichts mehr lieferte, konnte der große SDR zumindest noch den Sender identifizieren.

Die Sondersendung des Senders Waldheim mit dem Programm der Welle 380 vom Funkerberg in Königs Wusterhausen (schmale 200 W ERP) brachte der PC-SDR nahezu unterbrechungsfrei, während der RTL-Stick am Android-Smartphone nur gelegentlich mithielt. Insgesamt entschied der leistungsstärkere SDRplay am PC in einem Dutzend Empfangssituationen das Rennen für sich. Dennoch schlug sich der kleine Stick am Smartphone erstaunlich gut.

Auf DAB+ mit Warnfunktion

Nun schalten wir um auf DAB+. Hier sind die Band-III-Kanäle vorgegeben, eine manuelle Frequenzeingabe entfällt. Einen automatischen Suchlauf gibt es allerdings auch hier nicht – stattdessen prüft man Kanal für Kanal. Wird ein Signal gefunden, erscheinen die Programme in einer Senderliste, allerdings nur diejenigen des jeweils geprüften Kanals.

Hat man die Kanäle von 5A bis 12D durchlaufen, kommen in Berlin 87 Programme zusammen, inklusive einiger Dopplungen zwischen Berlin und Brandenburg. Die gefundenen Programme werden jedoch nicht in einer Gesamtliste zusammengeführt. Für eine App zum Preis von 12,99 Euro ist der fehlende Suchlauf über alle Kanäle eine ziemliche Zumutung.
Und doch hat das Starwaves Softradio zwei Asse im Ärmel: die EWF-Funktion und den Journaline-Datendienst. Die „Emergency Warning Functionality“ (EWF) kann laufende Programme für Notfalldurchsagen unterbrechen. Im Starwaves Softradio wird in der Programmliste angezeigt, welche Programme EWF unterstützen. Im Bundesmux sind dies alle Programme auf Kanal 5C sowie 7D.

Journaline-Dienste werden von allen Programmen von Deutschlandradio und Deutschlandfunk angeboten. EWF und Journaline in einer Android-App – das ist einzigartig.

Auch Slideshow-Inhalte, also begleitende Bilder zum laufenden Programm, kann die Software anzeigen. Das ist bei DAB+-Empfangssoftware allerdings üblich, ebenso wie bei stationären DAB-Radios mit Farbdisplay.

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Kein Komfortwunder, aber verdammt gut

Hallo Johannes (von Weyssenhoff, Geschäftsführer bei Starwaves): Auf meiner Wunschliste stehen 20 Kurzwellen-Frequenzspeicher mit Scannerfunktion für DRM sowie ein automatischer Kanalsuchlauf für DAB+. Besonderen Bedienkomfort sucht man beim Starwaves Softradio derzeit vergeblich. Dafür arbeitet die Software absolut zuverlässig und regelt die Verstärkung des SDR-Sticks optimal.

Die Kombination aus Nooelec NESDR und Starwaves zeigt sich empfindlich und liefert selbst auf Kurzwelle eine anständige Leistung. EWF, Journaline, Slideshow und die Wiedergabe digitaler Kurzwelle – eine unwiderstehliche Kombination und ab sofort mein Begleiter für kleine Radioausfahrten.