Frankreichs Radio wird digital


Mario Gongolsky 18. März 2007

(Paris/rh)
Croissant.jpg

Der französische Industrieminister François Loos gab am 13.März 2007 bekannt, die Digitalisierung des Radios mit T-DMB für Digital Radio Netze im Band III und im L-Band zu forcieren und DRM als einzige digitale Übertragungsnorm für AM-Rundfunk (Lang-, Mittel-, Kurzwelle) zuzulassen. 2008 soll Digital Radio an den Start gehen; getragen von allen wichtigen Radioveranstaltern des Landes.

Große Freude bei der Association pour la Radio Numérique DR, die in Frankreich versucht, die digitale Mittelwelle salon- und marktfähig zu machen. Damit ist in Frankreich eine wichtige Weiche für ein neues Leben der Lang- und Mittelwelle gestellt worden.

Frankreich sieht Potenzial für DRM

Branchenkenner schätzten schon lange, dass Frankreich das Potenzial haben könnte, zum Schlüsselmarkt für DRM in Westeuropa zu werden. Unabhängig von der Übertragungstechnik, die UKW ablösen soll, wird Frankreich von starken Stadt-Land-Kontrasten gekennzeichnet. Auf den trockenen Kalkstein-Hochebenen im Südwesten des Départements Lozère leben weniger als 14 Menschen auf einem Quadratkilometer, während Städte wie Paris, Lyon, Bordeaux und Marseille einem Ameisenhaufen gleichen. Das Problem schon heute: Das Erschließen der dünn besiedelten Gebiete lohnt sich kaum: „Dreiviertel der Hörer empfangen weniger als 14 Radioprogramme“, zitiert das Onlinemagazin 01net.com Philippe Gault, President der SIRTI, einem Zusammenschluss von 140 Unternehmen im Bereich lokaler und regionaler Programmanbieter. Daher ist es nicht überraschend, wenn die Association pour la Radio Numérique zahlreiche kleinere Radiomacher in ihren Reihen hat, die mit DRM Hörer bedienen will, an die sonst niemand heran kommt.

DMB als UKW-Ablösung

Die Entscheidung zugunsten von DMB als Ablösung des Hörfunks auf UKW sorgt hingegen für Verwirrungen. In der konkreten Entschließung der Regierung, wird laut Medienberichten ausgeführt, dass DMB auf DAB basiere und die Implementation von DAB+ mit MPEG-4 als gleichwertige Lösung angesehen wird. Der niemals ernsthaft vermarktete Ansatz von DAB in Frankreich (nur L-Band mit MPEG-1-Audiokompression) wird demnach aufgeben.

Starke Allianz der Radiomacher

Dies war im Wesentlichen auch die Position der führenden staatlichen wie privaten Radioveranstalter, die in einem ungewöhnlichen Communique bereits im September 2006 unter dem Eindruck der Regionalen Radio Conference RRC 06 in Genf formuliert wurde. In dieser gemeinsamen Stellungname der Lagardère Gruppe (Europe 1, Europe 2, RFM), NextRadioTV (RMC, BFM), NRJ Group (NRJ, Nostalgie, Chérie FM, Rire et Chansons), Radio France (France Inter, France Info, France Bleu, France Culture, France Musique, FIP, Le Mouv'), RTL (RTL, Fun Radio, RTL2) und der SIRTI apellierten die Radiomacher an die obereste Medienaufsichtsbehörde CSA und die französische Regierung, schnellstmöglich die Weichen für die Digitalisierung des Hörfunks zu stellen.

DMB/DAB+ bietet die geforderte Kapazität

Dabei machten die Radioveranstalter deutlich, an DAB in der bisherigen Form kein Interesse zu haben. Frankreich hat eine vitale Radiolandschaft und in den Ballungsräumen wie in Paris senden über 40 Stationen auf UKW dicht an dicht. Digital Radio muss mehr Programmkapazitäten bieten. Mit DAB in der bisherigen Technik wäre dieses Ziel selbst mit den neuen Kapazitäten im Band III kaum zu realisieren. In diesem Zusammenhang käme den Evolutionsstufen von DAB besondere Bedeutung zu. In der Kombination aus DMB mit MPEG-4 AACplus Audiokompression hat sich Frankreich jetzt auf ein System eingelassen, das die erforderlichen Möglichkeiten bietet.

Der Regierungsentscheid hat in Frankreich breite Teile der Medien für sich einnehmen können, denn eigentlich hatte niemand wenige Wochen vor der Presidentschaftswahl ernsthaft mit einer so weitreichenden Entschließung gerechnet.