Radio in Alaska: „Sie spenden, wir senden!“ (Teil I)

Radio in Alaska: „Sie spenden, wir senden!“ (Teil I)

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Während wir vom US-Radiomarkt nur die schrillen Töne des Kommerzradios aus den Großstädten wahrnehmen, ist Radio in Alaska ganz anders. Statt Kommerz ist Radio vielfach allenfalls karges Dasein für einen Stationsmanager und seine ehrenamtliche Moderatoren-Schar. Das Geld kommt aus dem Sponsoring des lokalen Einzelhandels und von Privatpersonen, denen das Radio der liebste Tagesbegleiter ist.

Alaska, das ist selbst manchem US-Amerikaner nicht so ganz klar, ist der 49. Bundesstaat der Vereinigten Staaten von Amerika. Man hatte es den Russen für einen Dollar pro Morgen einst abgekauft und fand dort Gold, was einen raschen Aufstieg Alaskas Ende des 19. Jahrhunderts ermöglichte. Doch nach dem Goldrausch, entleerte sich das Land. Ein Probe-Lauschen in die größten Radiostationen Alaskas, die nicht gerade in Fairbanks zu Hause sind, macht den Alltag im Hohen Norden hörbar.

Verdammt kein Fernsehen, nur Radio

„Ich bin verdammt in Alaska aufgewachsen“, beschwert sich John, Bandleader der Gruppe „Portugal. The Man.“ Das ist hart. Wie hart, erläutert er im Interview Björn Bauermeister vom Kulturmagazin Westzeit: „Ich bin dort sehr abgeschirmt und isoliert aufgewachsen. Kein Fernseher und keine aktuelle Musik. Wir hatten nur ein Radio, das ich immer gemeinsam mit meinen Eltern gehört habe. Und da lief dann eben dieses alte Zeug.“ Gemeint sind: The Beatles, Led Zeppelin und Muddy Waters.

Heute verdankt „Portugal. The Man“ dieser musikalischen Prägung den Erfolg. Europa war für die Jungs aus dem hohen Norden ein Musikschock. Statt 25 Minuten mussten sie bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland 90 Minuten spielen. Live, Hand-gemacht.John und seine Bandkollegen haben dieses Erfahrung mit ihrer musikalischen Prägung erfolgreich verbunden. Das Ergebnis ist ein eigenwilliger und progressiver Pop.

K-BRRRR-W

KBRW-LogoManche Teile Alaskas sind in der Tat so dünn besiedelt, dass es weder Zeitungen noch TV-Sendernetze noch breitbandige Internetanschlüsse gibt. Da bleibt nur das Radio, vorzugsweise auf der Mittelwelle.

Nehmen wir zum Beispiel die 4.000-Einwohner-Ortschaft Barrow. Geografisch bemerkenswert als der nördlichste Ort der USA und in Alaska zumindest unter seinem Inuit-Namen Silkkuagvik als Verwaltungssitz des North Slope Borough bekannt. In dem nur wenige Wochen eisfreien Ort sitzt seit 1974 die Station KBRW:„This is Kei-Bee-Arr-Dabbeljuh, Radio top of the World on 680 AM!“

Einige Sendungen werden gleich in der Inuit-Sprache gesendet. Bei Talkshows wird eine Übersetzung geboten. Mit seinem Programm und dem starken Mittelwellen-Sender versorgt die nördlichste Radiostation der USA eine Fläche von 230.000 Quadratkilometer und somit ganz Nordalaska. Der Sender bildet hier eine wichtige Klammer für alle Inuit-Stämme, die Barrow Beach, Foto: Richard Grenyer, CCrund um den Nordpol leben. Die einzige regelmäßig erscheinende Tageszeitung wird in 540 Kilometer entfernten Kotzebue gedruckt, berichtete Rudi Schneider den verblüfften Hörern des Deutschlandfunks im Februar 2008. Seiner herausragenden Bedeutung als alleiniges Informationsmedium verdankt KBRW auch seine finanzielle und personelle Ausstattung.

Über eine Millionen Dollar Jahresbudget werden aus Spenden finanziert und führen dazu, dass man sich auch im Internet einen Webstream leisten kann. Wer einmal ein Programm in Inupiaq hören möchte, sollte sich unter kbrw.org einloggen.