Tatsächlich haben wir noch eine weitere Android-DRM-Dekodiersoftware für Digital Radio Mondiale ausgegraben. Sie hört auf den Namen „DRM+ SDR“. Das Programm beherrscht DRM 30 (für die Kurzwelle bis 30 MHz) sowie DRM+, ein Verfahren, das auch im VHF-/UKW-Bereich eingesetzt werden kann.
Der Anbieter Algor Korea bietet diese DRM+-Version im Google Play Store für 4,99 Euro an.
Als Kurzwellenempfänger dient ein RTL-SDR-Stick von Nooelec (NESDR). Über ein USB-OTG-Kabel mit dem Smartphone verbunden wird der Empfänger erkannt und veranlasst den RTL-SDR-Treiber (ebenfalls im Google Play Store, kostenlos) dazu, die Softwareabfrage zu starten. Hat man – so wie wir – mehrere Programme installiert, die darauf zugreifen könnten, fragt der Treiber, für welche Software er benötigt wird. DRM+ SDR wird hier leider nicht angezeigt. Man kann jedoch einfach auf „Abbrechen“ drücken, da der Treiber bereits an DRM+ SDR gebunden ist.
Auf der Hauptoberfläche lässt sich zwischen HF-DRM (Kurzwelle), VHF-DRM (UKW) und Line-in-DRM umschalten. Wählt man den Kurzwellenmodus, kann eine Frequenz eingegeben werden – standardmäßig hertzgenau. Für 5.980 kHz muss also 5-9-8-0-0-0-0 eingegeben werden.
Ein Signalscope füllt den unteren Bereich des Bildschirms, ganz oben befindet sich eine einfache, dreiteilige Signalbewertung. Sobald alle drei Segmente grün werden, startet die Audiowiedergabe. Darunter werden die Empfangsparameter angezeigt, also Programmname, Sprache und Kodierung des Signals.
Empfangsversuche
Unsere ersten Tests führten wir an einem Abend mit solarem Blackout auf 9.730 kHz mit Radio Rumänien durch. Das Band war praktisch leergefegt, das DRM-Signal auf freiem Feld sehr schwach. Im Vergleich mit einem stationären SDR ließ die Android-Software am RTL-Stick seltener ein Audiosignal hören. Das sagt jedoch eher etwas über die Empfangsleistung der verwendeten Empfänger aus als über die Software selbst.
Deshalb wechselten wir kurz zur Starwaves-DRM-Software am gleichen RTL-SDR-Stick. Der entscheidende Signal-Rausch-Abstand veränderte sich nicht. Das zeigt, dass auch DRM+ SDR die Verstärkungsregelung des RTL-Sticks sauber aussteuert. Ebenso konnten wir bei der Dekodierleistung keine Unterschiede feststellen.
Am nächsten Tag testeten wir den Sendebetreiber TDF (Frankreich), der Radio France Internationale (Africa Service) auf 5.970 kHz ausstrahlte. Das Signal war zwar sehr stark, wurde jedoch auf 5.960 kHz von Radio Rumänien International und auf 5.980 kHz von der Voice of Turkey stark eingeengt. Ich schaltete jeweils im Zwei-Minuten-Rhythmus zwischen der Starwaves-DRM-Software und DRM+ SDR von Algor Korea hin und her – die Ergebnisse waren völlig identisch.
Viele App-Berechtigungen
Wenn zwei das Gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe: DRM+ SDR verlangt Zugriff auf Standort, Speicher, Internet, Mikrofon – und gefühlt auch auf die Schuhgröße (nein, Scherz). Während des Betriebs ist oben dauerhaft ein Mikrofonsymbol zu sehen. Vermutlich dient dies lediglich dazu, das Digitalsignal in den Audioprozess einzuspeisen. Hier geht DRM+ SDR einen etwas ungelenken Weg.
Die übrigen Berechtigungen dienen offenbar der Einblendung von Werbung. Selbst in dieser kostenpflichtigen App finden sich Werbebanner, die Platz auf dem Bildschirm beanspruchen. Ohne Datenverbindung bleibt dieser Bereich immerhin leer.
DRM+ SDR unterstützt Dynamic Label sowie Subkanäle, sodass ein Sender mehrere Audiospuren übertragen kann. Der Bildschirmtext-Dienst Journaline ist jedoch nicht implementiert.
Fazit
Wo es an Optik und Komfortfunktionen mangelt, zählt die Leistung – und die ist nicht zu beanstanden. Ob man sich daran stört, dass eine Software Zugriff auf das Mikrofon verlangt, oder ob Werbebanner in einer Bezahl-App akzeptabel sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Technisch ist DRM+ SDR jedoch ein voll funktionsfähiges Stück Software.