ADR

ADR Niels Gründel 10 Februar, 2007 - 01:00

Die Übertragung erfolgt beim Astra-Digital-Radio (ADR) nach dem internationalen Musicam-Standard mit einer Datenrate von 192 kBit/s und ist damit deutlich besser als jede analoge Radio-Übertragung. Die reduktionsbedingten Qualitätsunterschiede machen sich lediglich bei akustisch sehr hochwertigen Sendungen wie klassischer Musik oder einigen Hörspielen bemerkbar. Allerdings führen Gewitter oder andere ungünstige Empfangsbedingungen zu digitalem Knistern oder zur Funkstille, während eine analog übertragene Sendung unter diesen Bedingungen immerhin noch mit begleitendem Rauschen wiedergegeben werden.

ADR nutzt ebenso wie die analoge Übertragung per Satellit den Frequenzbereich der Tonunterträger in einem 180 kHz breiten Raster, allerdings von 6,12 MHz bis 8,46 MHz. Ein einzelner Tonunterträger kann hier schon die vollen Stereo-Informationen übertragen oder eben zwei Mono-Programme. Abzüglich der beiden reservierten analogen Tonunterträger für den Stereo-Fernsehton, verbleiben zehn Frequenzen für die Stereo-Radioübertragung. Insgesamt ist die Übertragung von rund 600 Hörfunkprogrammen möglich. Eingeführt wurde das System anlässlich der Internationalen Funkausstellung 1995 in Berlin. ADR war anfangs fast ausschließlich bei den deutschen Radiostationen beliebt. Inzwischen ist das Angebot jedoch internationaler geworden. Genutzt wird es von rund 100 Hörfunksendern.

Für den Empfang der digitalen ADR-Angebote benötigt man weder eine neue Parabolantenne noch einen neuen LNB, einen Low Noise Block Converter, der die eigentliche Antenne eines Satellitenempfängers ist und im Brennpunkt des Parabolspiegels angebracht wird. Erforderlich ist aber ein besonderer Empfänger oder ein Kombigerät für den Analog- und ADR-Empfang, wie es heute die meisten Gerätehersteller anbieten. Die Geräte sind meist anwenderfreundlich. So unterstützen sie beispielsweise eine automatische Speicherung aller verfügbaren Programme. Zusätzlich werden Informationen wie Titel und Interpret, teilweise auch Nachrichtentexte mitübertragen. Viele Geräte bieten eine Auswahlmöglichkeit nach Programmkategorien wie Klassik, Nachrichten, Pop oder Rock.

Vor dem Kauf sollten Sie beachten, dass preiswerte ADR-Receiver durch Mobiltelefone, Mobilfunkstationen und vor allem die schnurlosen DECT-Telefone (Digital Enhanced Cordless Telecommunication), allerdings nur beim Telefonieren, gestört werden können. Selbst bei hochwertigen Geräten sind derartige Ärgernisse in Einzelfällen nicht ganz auszuschließen. Insofern sollten Sie die Störfestigkeit vor dem Kauf zu Hause testen.

Die Bestückung des Einzelhandels mit ADR-Receivern ist heute gut und das System inzwischen hinreichend eingeführt.

Das Astra-Digital-Radio bietet auch die Möglichkeit, Programme codiert auszustrahlen. Diese Möglichkeit wurde vom Pay-Radio-Anbieter DMX (Digital Musik eXpress) kommerziell genutzt. Er hat werbefreie aber mit einem eigenen Verschlüsselungsstandard codierte Spartenkanäle ausgestrahlt, welche die Kunden gegen eine monatliche Abogebühr von 10 Euro empfangen konnten.

DMX konnte jedoch nicht genügend Kunden begeistern, die bereit waren, für den Radioempfang Geld zu bezahlen, und so wurde das europäische Programm in der Nacht vom 10. auf den 11. Juli 1997 abgeschaltet. In den USA besteht das System noch heute fort.

Im Sommer 1999 gab es einen Versuch, die ADR-/DMX-Empfänger der ersten Generation mit einem speziellen Radioprogramm für Arztpraxen, dem Umwelt- und Gesundheitsradio (UG-Radio), zu nutzen. Es wurde aber noch vor der durch die zuständige Landesrundfunkanstalt gesetzten Frist für den Beginn der Verschlüsselung abgeschaltet, wohl weil keine Einigung mit den Patentinhabern des DMX-Verschlüsselungsverfahrens gefunden wurde. Zuvor war das Sparten-Programm einige Zeit unverschlüsselt zu empfangen.

Prognose

Die ADR-Programme bestehen in der Gesamtheit vorwiegend aus musikorientierten Angeboten, die von der hohen Klangqualität profitieren können. ADR ist daher weit davon entfernt, ein lebendiges Abbild der europäischen Radioszene zu sein. 
Kurz, ein klangorientierter Special-Interest-Verbreitungkanal mit treuer Fangemeinde, aber kein Hörfunksystem der Zukunft, das in dem Ruf stehen könnte, einmal den Radiomarkt zu revolutionieren. Im internationalen Hörfunk mit seinen nachrichten- und wortorientierten Programmen spielt ADR keine Rolle. 

Über ADR wird es auch kein weiteres Pay-Radio mehr geben, schon weil die heutigen Geräte überhaupt kein Verschlüsselungsmodul mehr enthalten und die älteren Geräte lediglich über das des abgeschalteten DMX-Systems verfügen.