Hörfunk auf neuen Wegen: Antenne

Hörfunk auf neuen Wegen: Antenne Niels Gründel 11 Dezember, 2008 - 00:48

Digital Radio DAB - Die ewige Ablösung

Digital Radio DAB - Die ewige Ablösung Mario Gongolsky 13 April, 2007 - 01:00

Wenn von der Ablösetechnik für den herkömmlichen UKW-Rundfunk die Rede ist, fiel in den zurückliegenden Jahren immer wieder das Kürzel DAB. Mit dem Codenamen „Eureka 147” startete ein Firmenkonsortium 1987 die Entwicklung von DAB, mit dem Ziel ein digitales Hörfunksystem mit einem einheitlichen Standard in ganz Europa zu etablieren. Inzwischen hat DAB den Sprung zum Weltstandard schon geschafft. Einzig die USA halten noch an ihrem Konkurrenzsystem IBOC fest. Weltweit wurden zwei Frequenzbereiche für DAB ausgewiesen. Nun soll DAB in Europa laufen lernen.

Was man sich da etwa 1987 ausgedacht hat, ist technisch durchaus richtungsweisend. Annähernd CD-reine Klangqualität, einfachste Bedienbarkeit, optimaler, störungsfreier, mobiler Empfang und genügend Kapazität für programmbegleitende Datenanwendungen. Auch die Industrie der Gerätehersteller stieg mit in den DAB-Zug und produziert die Endgeräte nunmehr in der zweiten Generation. Während die ersten Radios an die Teilnehmer der Pilotprojekte ausgegeben wurden, sind die heutigen DAB-Empfänger frei im Handel erhältlich, wobei die Einstiegspreise für DAB-Autoradios bei derzeit 370 Euro angesiedelt sind. In etlichen Bundesländern wurde der Regelbetrieb ausgerufen und um Verwechslungen mit der Biermarke zu vermeiden, wurde das System zum Digital Radio umgetauft. Die Programme sind heute tatsächlich empfangbar. Die Senderabdeckung gleicht zwar noch einem Flickenteppich, soll aber schon ab 2003 flächendeckend entlang der Hauptverkehrsachsen sein.

Das leistet DAB

DAB erlaubt pro Senderblock die Übertragung von fünf bis sechs Hörfunkprogrammen in bester Klangqualität oder von bis zu zwanzig Programmen in einfacher Monoqualität.

Weil praktisch keine Frequenzen auf dem UKW Band mehr verfügbar sind, ist der TV Kanal 12 (223 - 230 MHz) für DAB vorgesehen. Da aber mit Sicherheit nur ein Kanal für die DAB-Zukunft nicht ausreichen wird, wurde bereits der Frequenzbereich von 1.452 – 1.467,5 MHz (L-Band) für terrestrische (z. B. Autoradio) DAB-Sendungen international reserviert.

Interessant ist die Möglichkeit für den Gleichwellenbetrieb, das heißt ein Senderblock mit seinem Programm- und Datenensemble könnte regional und überregional immer auf dem gleichen Kanal zu finden sein. Das sich ergebende Problem eines störenden Mehrwegeempfangs, der zum Beispiel in Überlappungsgebieten zwischen zwei Sendern entsteht oder durch die Reflexion von Radiowellen an Bergen oder hohen Gebäuden, wird vom DAB-Empfangssystem erkannt und ausgeglichen. Selbst in engen Häuserschluchten gewährleistet DAB somit einen klaren, störungsfreier Empfang.

Die Sendetechnik im Detail

Um Töne bis zu 20 kHz zu digitalisieren, wird nach dem Abtasttheorem eine Abstastfrequenz von mindestens 40 kHz benötigt. Um Rauschanteile des Signals unterhalb der Hörbarkeitsgrenze zu halten, ist eine Auflösung von 16 Bit notwendig. Für ein Stereokanalpaar ergibt sich hierdurch eine Abtastfrequenz von 44,1 kHz. Zwei Kanäle zu je 44.1 kHz mal 16 Bit ergibt wiederum einen Datenstrom von 1,41 Mbit/s. Um ein solches Signal zu übertragen, wäre eine Frequenzbandbreite von 1 MHz erforderlich.

Die Klangdaten werden auch bei DAB komprimiert. Hierfür wird das Musicam-Verfahren eingesetzt, inzwischen besser bekannt als MPEG 1 Layer II, einer Entwicklung des deutschen Fraunhofer-Instituts und gleichwohl die Grundlage für das Internetradio und jene Internetmusikdateien, die als MP3 für Furore sorgen. Die Datenbreite zwischen 8 kbit pro Sekunde und 192 kbit pro Sekunde und Stereokanal bezeichnet zugleich die Qualitätsstufe für den Klang. Schon mit 32 kbit/s klingt ein solches Signal wesentlich besser als Mittelwelle und etwa bei 100 kbit/s kann man getrost von CD-naher Klangqualität sprechen.

Das Quellcodierungsverfahren MPEG-1172-3 Layer II zur Datenreduktion berücksichtigt psychoakustische Phänomene der Wahrnehmung. Trotz einer 80 % geringeren Bitrate ist das komprimierte Signal akustisch nicht vom Quellsignal zu unterscheiden.

Zur Quellcodierung kommt die Kanalcodierung, die für eine störungsfreie Funkübertragung des digitalen Sendesignals sorgt. Dabei wird das COFDM-Verfahren zur Vermeidung von Datenfehlern durch Mehrwegeempfang eingesetzt.

Im Sendebetrieb spricht man von Sendeblöcken. Ein Sendeblock hat eine Mittenfrequenz und eine Gesamtbreite von 1,536 MHz auf der 1,536 Trägerfrequenzen mit kleinstmöglichem Abstand zueinander Platz finden. Auf einem solchen Block werden sechs Hörfunkprogramme übertragen.

COFDM ist ein recht breitbandiges Verfahren. Die Bruttobitrate eines DAB-Blocks liegt bei 2,4 Mbit/s, die nutzbare Signalbreite für die Musikübertragung hingegen nur 1,5 Mbit/s

Die codierten Musikquelldaten werden zusammen mit dem Fehlerschutz und den integrierten Datendiensten über einen Multiplexer zu einem Datenstrom zusammengepackt.

DAB arbeitet mit einem Gleichwellennetz. Ein Frequenzwechsel bei mobilem Empfangsbetrieb ist somit nicht erforderlich.

Datendienste

Neben der Tonübertragung finden im DAB-System auch Datenanwendungen Platz. Derartige Anwendungen können grob in programmbegleitende Datendienste und unabhängige Datenkanäle unterteilt werden. Die programmbegleitenden Daten (PAD = Programm Associated Data) beinhalten etwa das, was vom Radio-Daten-System auf UKW bereits bekannt ist, allerdings mit deutlich mehr Kapazität und Geschwindigkeit, also Musiktitel, Programmhinweise, Telefonnummern und dergleichen mehr. Die programmbegleitenden Daten sind in die Tonübertragung mit eingebunden. Bei den unabhängigen Daten (IDS) gibt es Anwendungen wie die Textübertragung von Verkehrsnachrichten, die Übermittlung von GPS-Korrekturdaten zur Fahrzeugnavigation, Personenrufdienste und elektronische Zeitungen. Diese Datendienste bekommen auf einem DAB-Kanal eine eigene Kapazitätszuweisung, sind also unabhängig vom eigentlichen Radiodatenangebot. Mit der Funktion Service-Information (SI) kann ein Rundfunkveranstalter den Hörer in die Lage versetzen, auf bestimmte Datenangebote zuzugreifen.
Radioprogramme und Datendienste zusammen bilden einen Sendeblock oder ein Ensemble.

DAB? Noch nie gehört.

Falls Sie noch niemals von DAB gehört haben, sind wir dem Hauptproblem schon auf der Spur. Ein neues Rundfunksystem kann nicht staatlich verordnet werden. Es hat sich mit seinen technischen und praktischen Vorzügen seinen Platz auf dem Markt zu erkämpfen. Die bevorzugt mit DAB-Kapazitäten gesegneten öffentlich- rechtlichen Rundfunkanstalten scheinen nicht im Stande zu sein, das Produkt DAB zu promoten. Die Industrie informiert Händler und Messebesucher, erzeugt damit aber eigentlich kaum Außenwirkung. Die Presse ist dem Thema DAB weitgehend abgeneigt. Wenn eine Technik so wenig Publicity bekommt, ist das Thema für Publikumszeitschriften nicht weiter von Interesse. Die Händler verkaufen nur Geräte, für die eine Nachfrage besteht. Insgesamt gibt es weder in Deutschland, noch in der Schweiz, Frankreich oder Großbritannien eine wirklich koordinierte und erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit zu sehen.

Kein Interesse

Die Veranstalter sind sich einig, dass das Radio eine technische Frischzellenkur brauchen könnte. Die sehr interessierten privaten Veranstalter sind in einigen Bundesländern bei der Vergabe von DAB-Plätzen leer ausgegangen, weil der Ausbau der Senderkapazitäten schon jetzt finanziell auf schwachen Füßen steht, heißt es offiziell zur Begründung. Nach diesem politischen Laienspiel und nicht einmal 23.000 verkauften DAB-Endgeräten bis Herbst 1999 in ganz Europa, sind einige namhafte Privatrundfunkveranstalter schon auf Distanz zu DAB gegangen und setzen eher auf DVB-T als digitale Verbreitungsmöglichkeit ihrer Programme.

Nicht einmal bei den ARD-Rundfunkanstalten oder bei den Landesmedienanstalten ist ein einheitliches Vorgehen in der DAB-Einführung erkennbar. Der Hessische Rundfunk machte zum Start des DAB-Regelbetriebes Mitte 2001 in Hessen nicht mit, der Norddeutsche Rundfunk zeigte ebenso eine regelrechte DAB-Lustlosigkeit, die in der Idee einiger Bundesländer mündete, ein Moratorium für DAB bis 2003 zu erlassen. Im Süden der Republik, allen voran in Bayern, sendet man auf DAB und bewirbt dieses neue Rundfunksystem sogar. In Sachsen-Anhalt beschloss die Landesmedienanstalt bis zum 1.1.2010 ausschließlich digital senden zu wollen und herkömmliche UKW-Frequenzen sukzessiv abzuschalten.

Systemkritik?

Auf der Vermarktung von Mehrwertdiensten (Datendienste) lagen große Hoffnungen zur Teilrefinanzierung des Sendernetzes. Ob eine Vermarktung dieser Plattform im Internetzeitalter erfolgreich sein kann, darf bezweifelt werden.

Bei der zur Verfügung stehenden Frequenzkapazität und der Geschwindigkeit des Sendernetzausbaus wird DAB kurzfristig keine ausreichende Kapazität bieten können, das bisherige UKW-Rundfunkband abzubilden und zeitgleich Platz für neue Programme zu schaffen.

Ein Problem stellt aus meiner Sicht auch die mögliche Zerschneidung lokaler Kommunikationsräume dar. In Rheinland-Pfalz könnte man keine regionalen Programme aus Nordrhein-Westfalen empfangen und umgekehrt. Das System verhält sich wie man es vom Mobiltelefon her kennt: Nur wenige hundert Meter hinter der Landesgrenze wird man auf einen neuen Netzbetreiber umgebucht. Was zwischen einzelnen Bundesländern per Absprache zu lösen wäre, wird aber an Staatsgrenzen gewiss ein Problem. Keine deutschen DAB-Programme in Ostbelgien, keine belgischen DAB-Programme in der Eifel? Wird der akustische Blick über den Gartenzaun des Nachbarn mit „Digital Radio” erschwert?

Für die Veranstalter hat diese Systemeigenschaft den Vorteil, dass sie ihr Verbreitungsgebiet ganz klar umreißen können. Doch gerade im Narrowcasting-Bereich, das betrifft Sender mit einer lokalen, kleinen Zielgruppe, ist die Platzierung der Angebote zur Erlangung einer DAB-Frequenzzuweisung derzeit gefährdet. Nationale, landesweite und schließlich lokale Radioangebote durch DAB empfangbar zu machen erfordert so gesehen eine dreifache Flächenabdeckung, doch die erforderlichen Frequenzkapazitäten sind erst gar nicht in Sichtweite.

Alle technischen Probleme gelöst?

Zum DAB-Empfang benötigen Sie einen speziellen DAB-Empfänger und zumindest für L-Band-Übertragungen eine besondere Empfangsantenne. Nähere Auskünfte sollte Ihr Radiohändler liefern können. Falls nicht, hilft eine Anfrage bei den Herstellern, wie zum Beispiel Blaupunkt, Grundig oder Sony.

Für DAB ist ein Fernsehkanal bei 225 Mhz und das besagte L-Band vorgesehen. Das L-Band liegt in einem Frequenzbereich von 1,5 Ghz und somit auf einer deutlich höheren Frequenz als das bisherige UKW-Rundfunkband. Dabei sind besonders hohe Frequenzen nicht ganz unproblematisch beim Radioempfang in geschlossenen Räumen: Je höher die Sendefrequenz, desto kleiner ist die Wellenlänge. Kleine Wellenlängen neigen dazu, stärker von Mauern und Fenstern reflektiert zu werden. In der Folge werden Radiowellen in ihrer Stärke gedämpft, was den Empfang mit kleinen Teleskop- oder Drahtantennen innerhalb der Wohnung negativ beeinflusst.

Worin liegt der Anreiz, sein Radio zu wechseln?

Darüber rätseln die Verantwortlichen offenbar selbst noch. Der Empfangsbetrieb im Fahrzeug soll Lust machen, auch zu Hause auf DAB-Empfang zu wechseln. Im Auto ermöglicht DAB glasklaren Empfang ohne lästiges Sendersuchen und verspricht bestmöglichen, störungsfreien Empfang, selbst in dicht bebauten Gebieten. Die Zusatzdienste, wie zum Beispiel Stauwarnkarten und lokale Verkehrsinformationen, die das künftige DAB-Autoradio vorlesen kann, zielen auf einen Mehrwert im Auto. Dumm nur, monieren Kritiker, dass man ausgerechnet im Auto mit den Fahr- und Nebengeräuschen nur wenig von dem tollen CD-reinen Klang profitieren kann.

Worin der Reiz liegen soll, die heimische Stereoanlage auf DAB-Empfang umzustellen, ist auch den Herstellern nicht recht klar. Außer einer besseren Klangqualität können kaum Argumente ins Feld geführt werden. Ob das allerdings zum großen Durchbruch reichen wird? Die meisten Radiohörer nutzen das Radio nicht so sehr zur Befriedigung audiophiler Gelüste, sondern mehr nebenbei als Informations- und Unterhaltungsmedium.

Solche Zweifel sind auch am Gerätemarkt leicht abzulesen. Tatsächlich spielen DAB-Radios derzeit allenfalls im Segment der hochwertigen Autostereoanlagen eine Rolle, die Suche nach passenden Heimempfängern ist schwierig. Bei Sony ließ sich 2001 ein passender Tuner finden, weitere Hersteller zogen mit einzelnen Modellen nach. Die meisten Heimgeräte werden von kleinen Audioschmieden für den britischen Markt gefertigt, denn Großbritannien verfügt als einziges Land in Europa über so etwas wie einen Markt für DAB. Firmen wie TAG oder Robertson sind auf alle Fälle hierzulande nicht eben bekannt.

In die Lücke springen eher Hersteller von PC-Peripherie, wie der deutsche Soundkartenhersteller Terratec oder der Palmtop-Hersteller Psion mit seinem Wavefinder. Keine Produkte für einen breiten Markt also.

Trotzdem, eine gute, komfortable Programm- auswahl, bessere Klangqualität und sinnvolle Zusatzdatendienste können DAB sehr wohl attraktiv machen. Doch bis einfache DAB-Radios für Küche und Bad auf dem Markt sind, wenn solche Geräte überhaupt ernsthaft geplant sind, werden wohl noch etliche Jahre ins Land gehen.

Die Konkurrenz schläft nicht

Heute, wo das L-Band fest für Rundfunkaussendungen vorgesehen ist, ohne das der DAB-Markt in Europa richtig in Schwung kommt, wittern Industriekonsortien neue Marktchancen. Ausgerechnet der Satellit wird zum Erzrivalen von DAB. Worldspace und Alcatel haben einen Vertrag geschlossen, der die Einführung eines Radiosatellitensystems ab 2003 vorsieht. Dabei wird das System um bodengebundene Sendernetze ergänzt und ungenutzte DAB-Kapazitäten kämen da gerade recht. Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut in Erlangen wird daran gearbeitet, den Empfang des Satellitensignals auch im Fahrzeugbetrieb zu ermöglichen. Während normalerweise Bäume und Brücken beim Satellitenempfang für Empfangsaussetzer sorgen würden, soll die Systemerweiterung weitgehend ausfallsichere Signalversorgung gewährleisten. Von Luxemburg aus versucht die Firma Global Radio ebenfalls ein satellitengestütztes Radiosystem aus der Taufe zu heben. Gleich drei kleine Satelliten sollen Mittel- und Osteuropa mit Radioprogrammen versorgen.

Getreu dem Motto: „Wo sich zwei streiten, freut sich der Dritte”, wird auch der Hinweis des internationalen DRM-Konsortiums lauter, dass an Stelle des DAB-Systems auch das DRM-Verfahren für UKW genutzt werden könnte. DRM soll dem AM-Rundfunk, also Lang-, Mittel- und Kurzwelle zur digitalen Renaissance verhelfen. Das System hat den Vorteil, wesentlich weniger Frequenzen zu verbrauchen als DAB. Zugleich wäre ein neuer Frequenzbereich, wie das L-Band, nicht wirklich erforderlich. Ebenfalls sinnvoll erscheint die Umsetzung eines digitalen Modulationsverfahrens für alle Wellenbereiche, würde es doch den technischen Aufwand in der Geräteproduktion deutlich reduzieren. Selbst bestehende Sendeanlagen ließen sich auf DRM-Betrieb umrüsten.

Prognose

Noch zum Start der Pilotprojekte 1995 als Ablöse des UKW-Rundfunks gefeiert, werden die Töne nun immer leiser. Dass DAB seinen Platz auf dem Markt erstreitet, halte ich bislang für unwahrscheinlich. Eine vollständige digitale Ablösung des UKW-Radios erfolgt durch DAB jedenfalls sicher nicht. So viel Dilettantismus bei der Vermarktung kann nur zu einem Totalversagen des DAB-Systems führen. Zu oft als die Radiozukunft zitiert, entpuppt sich DAB als Radioflop Nummer zwei des Digitalzeitalters und droht in die Fußstapfen des wenig rühmlich verblichenen Digitalen-Satelliten-Radio (DSR) zu treten.

Eigentlich schade, denn der DAB-Standard bietet aus heutiger Sicht alle technischen Merkmale, die an ein richtungsweisendes Rundfunksystem zu stellen sind. Es funktioniert auf verschiedenen Verbreitungswegen (Satellit, Kabel, Ätherwelle), bietet ein hohes Maß an Klangqualität, ist uneingeschränkt für den mobilen Empfang geeignet, arbeitet mit geringem Sendeenergieaufwand, bietet Mehrwertdienste, die durch unterschiedliche Sendeformate sogar noch technische Möglichkeiten zu einer Crossover-Nutzung mit dem Internet denkbar erscheinen lassen.

Hätte man 1995 den Marktstart geschafft und nicht erst mit sinnlosen Pilotprojekten Geld und Zeit verschwendet, DAB hätte schon längst Fakten in der Radiolandschaft schaffen können. Statt dessen wird das hämische Gelächter der Beobachter zu jeder Funkausstellung in Berlin lauter, wenn einmal mehr die Radiozukunft über DAB eingeläutet werden soll. Das System ist, staatlicher Regelungswut und förderaler Uneinigkeit sei Dank, technisch angestaubt, bevor der Hörer auch nur Notiz davon genommen hat.

Aus der Beobachtung der vergangenen Jahre lässt sich ablesen, dass die Konkurrenz dem Hörer schneller ein attraktives, marktfähiges Angebot machen wird. Das Resultat ist eine weitere Aufsplitterung von Verbreitungswegen. Eine Aufsplitterung, die immer höhere Kosten nach sich zieht, um den Hörer auch morgen zu erreichen.

DVB-Terrestrisch

DVB-Terrestrisch Mario Gongolsky 10 Februar, 2007 - 01:00

Wie der Name des Systems schon sagt, handelt es sich bei DVB-T um ein neues Fernsehverfahren. Die Entwicklung von DVB wird parallel zu DAB, der Norm für den digitalen Hörfunk, vorangetrieben. Daraus ergibt sich, schon bevor das eine oder andere Verfahren mit messbarem Effekt am Markt installiert ist, Streit und Lagerbildung.

Die Einführung von DVB-T ist durch einen Beschluss des Bundeskabinetts vom August 1998 festgelegt worden, wobei auch hier ein Zeitplan bis 2010 in Aussicht gestellt wird. Der Streit der Fachleute und Gremien schwelt wohl vor allem, weil die Mittel für den Sendernetzausbau DVB und DAB aus dem gleichen Topf finanziert werden sollen. Da sagen die Vertreter der DVB-Liga natürlich, dass man DAB nicht mehr benötige. Im Gefolge von fünf TV-Programmen könnte man zeitgleich noch 30 Hörfunkprogramme mit übertragen.

Doch der Reihe nach: Während DAB einen Regelbetrieb ohne Hörer ausgerufen hat, befindet man sich beim Digitalfernsehen derzeit noch in der Feldversuchsphase. Wenn die zeitlichen Maßstäbe der DAB-Entwicklung angelegt werden, ist man befürchtenswerterweise noch Jahre von einer Markteinführung entfernt.

DVB-T technisch betrachtet

DVB-T ermöglicht die Übertragung von 18 bis 24 Fernsehprogrammen je nach Region. Zusätzlich können Hörfunkprogramme mittels DVB-T transportiert werden. Als weitere Anwendung werden Mediendienste gesehen, also DVB als digitale Arbeitsplattform. Dabei wird klar an einer direkten Integration des Internet und der Mobilfunkstandards GPRS und UMTS gearbeitet.

Und tatsächlich ist die erreichbare Datengeschwindigkeit von DVB-T deutlich höher als beim Hörfunkstandard DAB. Durch die Wahl der Betriebsparameter von DVB-T kann eine nutzbare Datenrate zwischen 10 Mbit/s knapp 30 Mbit/s erzielt werden. Bei DAB sind es hingegen nur 2,4 Mbit/s.

Die Kehrseite der Medaille ist aber, dass hohe Datenraten und ein bewegter mobiler Betrieb, zum Beispiel im Auto, sich einander widersprechen. Um die Fehlerrate im Fahrzeugbetrieb in praktikable Bereiche zu lenken, sinkt die nutzbare Datenrate erheblich. DAB wurde hingegen für eine fehlerfreie mobile Nutzung entwickelt.

Fernseh- und Radiosignale unterscheiden sich dramatisch in der erforderlichen Frequenzbandbreite. So benötigt ein DVB-Satellitentransponder 27,5 MHz Bandbreite. Zum Vergleich, das gesamte UKW-Rundfunkband umfasst 20 MHz und DAB bringt auf 1,5 MHz Bandbreite immerhin sechs bis acht Hörfunkprogramme unter.

So kann man DVB-T empfangen

Zur Zeit der Drucklegung dieses Buches, sind die geplanten Settop-Boxen erst vereinzelt im Handel. Das Angebot soll sich in Kürze weiter beleben.

Den vorhandenen Fernseher soll man weiter benutzen können. Wie jede technische Innovation im Fernsehen beginnt alles mit einem „Kästchen”; das war so bei der Einführung des Zweiten Deutschen Fernsehens und auch bei der Einführung des Kabelanschlusses. Die eingebaute Antenne der Settop-Box soll die digitalen TV-Signale empfangen und in ein analoges, für den Fernseher auswertbares Signal verwandeln. Zusätzlich kann die Settop-Box auch mit der Stereoanlage verbunden werden, um Radioprogramme zu empfangen.

DVB wird kein Hörfunkrenner

Die Möglichkeit Radio zu hören gibt es ja auch schon beim analogen Satellitenempfang. Die Quote der Satellitenanlagenbesitzer, die auch Radioprogramme empfangen, liegt deutlich unterhalb von 10 %. Für den Durchschnittsnutzer sind Radio und Fernsehen zwei ganz unterschiedliche Dinge. Bis die allgegenwärtige Konvergenz der Systeme auch in den Köpfen der Hörer verankert ist, wäre DVB ein Radiovertriebsweg ohne wirtschaftlichen Wert.

Doch es gibt weitere Argumente gegen DVB als Radiomedium. So ist zum Beispiel eine Settop-Box nur ein Zwischenschritt zum digitalen DVB-Empfänger, der den analogen Fernsehapparat ablösen wird. Ein Kombinationsgerät von Digital-TV und Digital-Radio dürfte zu groß, zu schwer und keinesfalls billiger werden als getrennte digitale Empfangsgeräte. Wenn ich eine Trennung der Empfangsgeräte von Radio und Fernsehen als wahrscheinliches Szenario unterstelle, ist es faktisch ohne Bedeutung, ob Radio und Fernsehen die gleiche Sendenorm verwenden oder verschiedene.

Darüber hinaus sind die Versorgungszellen für die TV-Verbreitung in ihrem Flächenmaß erheblich größer bemessen als Versorgungszellen für den Hörfunk, der ja auch lokale und regionale Inhalte transportiert. Die Auslegung der gesamten Rundfunklandschaft in große, fernsehgerechte Versorgungsgebiete reflektiert nur sehr unzureichend die Bedürfnisse des Hörfunks, ist doch gerade der lokale Bezug des Hörfunks eine Stärke des Radios schlechthin.

Technisch ist vor allem der hohe Sendeenergieverbrauch zu kritisieren. Hier summieren sich Zellengröße, Frequenzbandbreite und die erforderliche Feldstärke für einen uneingeschränkten mobilen Empfang zu einem satten Nachteil von DVB-T als Hörfunkcarrier.

DVB-T-Zukunft

Die ersten DVB-T-Empfangsinseln entstanden in den norddeutschen Ballungsräumen: Hannover, Braunschweig, Bremen/Bremerhaven, Hamburg, Kiel/Schleswig, Berlin und Schwerin/Rostock. Ausgehend von diesen Großräumen wird das Sendernetz bis zum Jahr 2010 nach und nach weiter ausgebaut, um am Ende das analoge PAL-Sendernetz ganz zu ersetzen.

Der Norddeutsche Rundfunk hat sich klar zugunsten von DVB-T entschieden und betreibt zusammen mit der Telekom ein Sendernetz für den Pilotbetrieb. Genau der gleiche NDR verhält sich beim Ausbau des Rundfunksystems DAB zurückhaltend bis ablehnend.

Da alle ARD-Rundfunkanstalten ja ein Fernsehsignal auszustrahlen haben, macht die DVB-Vorrangpolitik Sinn, denn die Sendekosten für das digitale Fernsehen der Zukunft müssen ohnehin erbracht werden. Dafür hätte man die Gewähr einer digitalen landesweiten Verbreitung der eigenen Hörfunkprogramme inklusive. Also scheiden sich hier sogleich die Geister bei der Frage, wie die regionalen und lokalen Programme zum Hörer kommen sollen. Auch den privaten Hörfunkketten, die kein Fernsehvollprogramm zu verbreiten haben, treibt diese Entwicklung Sorgenfalten auf die Stirn.

Für eine DVB-T-Prognose ist es noch zu früh.

DRM - von global bis lokal

DRM - von global bis lokal Harald Kuhl 2 Juni, 2007 - 01:00

Neben dem UKW- Hörfunk gibt es nach wie vor ein großes analoges Hörfunkangebot in den so genannten AM-Rundfunkbereichen (Amplitudenmodulation auf Lang-, Mittel-, Kurzwelle). Allerdings wird dieses Angebot hierzulande nur noch von einer Hörerminderheit genutzt. Der Grund liegt auf der Hand: Im Zeitalter der Audio-CD und angesichts einer flächendeckenden UKW-Hörfunkversorgung möchte sich kaum noch jemand mit der oftmals geringen Audioqualität des analogen AM-Hörfunks zufrieden geben. Diese Entwicklung musste sich auch auf die Hersteller von Empfangstechnik auswirken: Viele der heute produzierten Radiogeräte sind gar nicht mehr mit AM-Frequenzbereichen ausgestattet oder erfassen allenfalls noch einen Teil davon.

Damit geht einem Großteil der Radiohörer ein bestehendes Programmangebot verloren, das im wahrsten Sinne des Wortes grenzenlos ist: Auslandssender aus bis zu 50 Ländern senden auf Kurzwelle täglich Programme in deutscher Sprache in Richtung Mitteleuropa. Die Zahl der per Kurzwelle hörbaren Fremdsprachenprogramme geht in die Hunderte. Und auf Mittel- und Langwelle sind in den Abendstunden Programme aus ganz Europa und angrenzenden Regionen vertreten. Wäre nur die Empfangsqualität besser.

Es ist Abhilfe in Sicht: Als letzte noch verbliebene analoge Bastion soll in den kommenden Jahren auch in den AM-Hörfunkbereichen eine digitale Übertragungstechnik Einzug halten und dem guten alten Dampfradio so zu neuem Glanz verhelfen. Werden die Pläne für eine Digitalisierung des AM-Hörfunks erfolgreich umgesetzt, könnte dies vergleichbare Auswirkungen haben wie in den 1950er Jahren der Übergang von der Röhre zum Transistor, als das tragbare und mit Batterien betriebene Transistorradio seinen Siegeszug um die Welt antrat.

Eine Idee gewinnt Konturen

Konkrete Bemühungen zur Gründung eines Forums mit dem Ziel der Digitalisierung des AM-Hörfunks fanden erstmals Ende 1996 mit der Gründung des europäischen Projektes NADIB (Narrow Bandwidth Digital Broadcasting) statt. Bereits im Vorfeld hatten Sendetechniker seit 1994 entsprechende Überlegungen angestellt und die Planung in Arbeitsgruppen aufgenommen, nachdem das Militär die zuvor geheim gehaltene Technologie frei gegeben hatte. Als Mitte der 1990er Jahre verschiedene digitale Satellitenprojekte (u. a. WorldSpace) aus dem Planungsstadium in eine konkretere Phase eintraten und sich als ein potenzielles Ersatzsystem insbesondere für die Mittel- und Kurzwelle präsentierten, legten die Befürworter digitaler AM-Systeme eine Entwicklungspause ein. Im Rahmen von Studien stellte sich jedoch heraus, dass es der Satellitentechnologie aufgrund der dort realisierbaren Strahlungsleistungen in absehbarer Zeit nicht gelingen würde, den terrestrischen AM-Hörfunk in seiner Gesamtheit abzulösen. Nach wie vor ist eine direkte Sichtverbindung zwischen Satellit und Empfangsantenne notwendig; Berge, Gebäude oder Bäume sorgen für Signaldämpfungen und Empfangsbeeinträchtigungen. Dies bestätigt mittlerweile auch die Praxis.

Daraufhin stieg bei Rundfunkveranstaltern und Herstellern von Sende- und Empfangstechnik erneut das Interesse an der Einführung digitaler Übertragungstechniken für Hörfunksendungen in den AM-Rundfunkbereichen. Auf der von der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) veranstalteten Weltradiokonferenz von 1997 (WRC-97) wurde eine offizielle Empfehlung ausgesprochen, die Entwicklung von frequenzsparenden terrestrischen Sendesystemen für die Abstrahlung von Hörfunksendungen unterhalb von 30 MHz durch die Nutzung digitaler Techniken künftig verstärkt zu verfolgen. Gleichzeitig wurden die noch im Raum stehenden Pläne zur weltweiten Einführung der Einseitenbandtechnologie (SSB) für den AM-Hörfunk endgültig aufgegeben.

Das Gründungstreffen des internationalen Konsortiums Digital Radio Mondiale (DRM) fand im März 1998 in der südchinesischen Wirtschaftsmetropole Guangzhou statt. China wurde als Gründungsort ausgewählt, weil sich dort nach wie vor der weltweit größte Radiomarkt befindet. In der Folgezeit arbeiteten die beteiligten Partner mit Hochdruck an der Entwicklung geeigneter digitaler Übertragungsverfahren. Anders als zuvor im Falle der europäischen NADIB-Initiative, war DRM von vornherein als ein internationales Projekt angelegt. Zu den mittlerweile rund 70 Mitgliedern aus fast 30 Ländern des Konsortiums zählen internationale und nationale Rundfunkanstalten, Medienorganisationen, Hersteller von Sendetechnik, Forschungseinrichtungen und Universitäten, Betreiber von Sendeanlagen, und führende Produzenten von Empfangsgeräten.

Globale Perspektive

Zu den wesentlichen Anliegen des DRM-Konsortiums zählte von Beginn an die Beibehaltung eines weltweit einheitlichen und frei verfügbaren technischen Standards für die Ausstrahlung und den Empfang von digitalen Rundfunksendungen unterhalb von 30 MHz. Die Entwicklung und Einführung unterschiedlicher und untereinander inkompatibler Übertragungssysteme, wie sie im Bereich des Fernsehens und insbesondere bei den diversen bislang vorgestellten digitalen Hörfunkprojekten zur Ausstrahlung auf Frequenzen oberhalb von 30 MHz bzw. per Satellit stattgefunden hat, sollte in den AM-Bereichen weitestgehend verhindert werden. Auf diese Weise wollte man den traditionell globalen Charakter des AM-Rundfunks auch künftig erhalten: Ein heute in Europa erworbenes Transistorradio versieht seinen Dienst in Asien ebenso wie in Afrika oder in Lateinamerika. Umgekehrt kann ein nordamerikanischer Auslandssender auf Kurzwelle in Europa mit jedem Weltempfänger gehört werden.

Auch trägt ein weltweit einheitliches Übertragungssystem dazu bei, die Kosten für dessen Entwicklung und Einführung auf einem möglichst geringen Niveau zu halten. Zudem ist nur im Falle einer Einigung auf einen weltweit gültigen technischen Standard die massenhafte Produktion und der anschließende Verkauf künftiger Radiogeräte zu einem für den Endverbraucher attraktiven Einzelpreis möglich. Und wie am Beispiel DAB nach wie vor zu beobachten ist, stellen zu hohe Empfängerpreise eine fast unüberwindliche Barriere für den Erfolg einer neuen Hörfunktechnologie dar, sei sie auch noch so gut.

Den grenzüberschreitenden Kurzwellenrundfunk betreffend hat DRM das Ziel eines weltweit einheitlichen Systems erreicht. Für den Hörfunk auf Mittelwelle wird es künftig hingegen wohl zwei digitale Standards geben, da die U.S.-amerikanische Radioindustrie an einer eigenen Lösung arbeitet. Dies wird sich jedoch auf die Verbreitung von DRM kaum auswirken.

Das DRM-System

Im Gegensatz zum analogen AM-Hörfunksignal mit seinem einzelnen Träger und den beiden Seitenbändern, handelt es sich bei DRM um ein Mehrträgerverfahren. Genauer: Ein DRM-Signal setzt sich aus rund 200 Einzelträgern zusammen, die gemeinsam die ausgesendete (Audio-)Information enthalten. Selbst wenn mehrere dieser Träger gestört werden sollten, ist das Signal weiterhin robust genug für eine störungsfreie Übertragung. DRM stehen drei verschiedene Systeme für die Quellcodierung zur Verfügung: MPEG-4 AAC (Advanced Audio Coding) mit einem robusten Fehlerschutz für Audioübertragungen in mono und stereo; MPEG-4 CELP (Code Excited Linear Prediction) für die Codierung von Sprachsendungen in mono mit einem robusten Fehlerschutz; das Sprachcodierungssystem HVXC (Harmonic Vector Exitation Coding) für die Ausstrahlung mehrerer Sprachprogramme gleichzeitig auf einer Frequenz oder eines Nachrichtenkanals parallel zum Hauptprogramm. Die mit MPEG-4 AAC und MPEG-4 CELP erzielbare Audioqualität kann mit Hilfe eines spektralen Banderweiterungsverfahrens (Spectral Band Replication - SBR) selbst bei niedrigen Bitraten von bis zu 24 kbit/s auf die nahezu volle Audiobandbreite erweitert werden: Während man früher lediglich eine Audiobandbreite von maximal 4,5 kHz je Seitenband in einem AM-Sendekanal (HF) unterbringen konnte, gelingt mit Hilfe dieser digitalen Technologie eine Audiobandbreite von nun bis zu 15,2 kHz pro Sendekanal (HF). Dies entspricht dem Unterschied zwischen Telefon- und UKW-Mono-Qualität. Die höchste mit dem DRM-Verfahren erreichbare Netto-Bitrate für Audioübertragungen beträgt 24 kbit/s in einem 9 oder 10 kHz-Kanal. Dieser Wert wird allerdings in der Praxis nicht immer erreicht, da er in Abhängigkeit des benötigten Fehlerschutzes, der verfügbaren Bandbreite und der Fehlerkorrektur nach unten variiert. Letzteres betrifft hauptsächlich die Ausstrahlung auf Kurzwelle, bei der es im Fernbereich häufiger zu Beeinträchtigungen der Signalqualität kommen kann.

DRM bietet auch die speziell für Mittelwelle interessante Möglichkeit des Simulcast-Betriebs, also die Nutzung nur einer Frequenz durch mehrere Sender an verschiedenen Standorten, die das gleiche Programm ausstrahlen. Beim analogen AM-Hörfunk würde dies zu starken gegenseitigen Beeinträchtigungen führen, so dass die Verwendung verschiedener Frequenzen notwendig ist, selbst wenn über diese ein identisches Programm ausgestrahlt wird. Als Modulationsverfahren wird Quadratur-Amplituden-Modulation (QAM) von 16 und 64 QAM eingesetzt, wobei auch QPSK-Modulation (Quadratur Phase Shift Keying) möglich ist.

Durch die Einhaltung der bisher geltenden ITU-Vorgaben bezüglich Frequenzbereich, Kanalraster und Schutzabstände sind durch die Einführung von DRM keine zusätzlichen Frequenzkoordinationen notwendig, so dass unmittelbar nach Freigabe des Systems ein fließender Übergang von der analogen zur digitalen Ausstrahlung möglich ist. Zudem können viele der bisherigen Sender für die Abstrahlung von DRM-Signalen modifiziert und damit weiterhin verwendet werden. Gleiches gilt für die Antennenanlagen.

Argumente für DRM

Weltweit gibt es derzeit rund 12.000 Lang- und Mittelwellensender sowie zahlreiche Kurzwellensender niedriger Leistung für die Inlandsversorgung. Zudem werden allein für Hörer in Europa täglich 4.000 - 6.000 Programmstunden von internationalen Sendern auf Kurzwelle ausgestrahlt. Die BBC schätzt ihre weltweite Hörerschaft auf 150 Millionen Menschen wöchentlich (davon 80 % auf Kurzwelle), gefolgt von der Voice of America mit 80 Millionen und der Deutschen Welle mit 28 Millionen Hörern. Es ist also bereits eine immense Hörerzahl für schon bestehende Programminhalte vorhanden, die sich die internationalen Sendeanstalten durch einen baldigen Umstieg auf DRM erhalten möchten.

Für den Radiohörer steht die gegenüber den heutigen analogen Übertragungen wesentlich verbesserte Empfangs- und Audioqualität an erster Stelle der von DRM gebotenen Vorteile. Wie im Rahmen von Feldtests nachgewiesen werden konnte, ist die mit DRM erzielbare Audioqualität durchaus vergleichbar mit UKW-Hörfunk in mono. Die Empfangsqualität wird sogar besser sein als bei UKW, da es sich bei DRM um ein robustes Mehrträgerverfahren handelt. Darüber hinaus haben sich digitale Signale als deutlich unempfindlicher gegenüber den stetig zunehmenden elektromagnetischen Störungen erwiesen. Insbesondere der Empfang auf Lang- und Mittelwelle wird heute vielerorts durch Störsignale von industriellen Anlagen oder durch ungenügend abgeschirmte Computer oder gar Geräte der Unterhaltungselektronik (z.B. Schaltnetzteile von Sat-Empfängern) mitunter empfindlich beeinträchtigt.

Ein wichtiger Effekt für die Programmanbieter ist die deutliche Reduzierung der für die digitale Ausstrahlung anfallenden Energiekosten: Digitale Sendesysteme gehen sehr viel sparsamer mit Sendeenergie um: Mit nur 25 % der heute für analoge Ausstrahlungen aus dem Stromnetz entnommenen Energie erzielt DRM die gleiche Reichweite, was langfristig zu einer Entlastung der in vielen Sendeanstalten angespannten Haushaltslage beitragen wird. Die anfänglich notwendigen Investitionen in neue digitale Sender bzw. in die Erweiterung bestehender Sendeanlagen refinanzieren sich somit im Laufe der Zeit über eingesparte Energiekosten.

Durch eine Teilung des DRM-Datenstroms besteht die Möglichkeit, durchgängig oder zu bestimmten Zeiten beispielsweise auf einer Mittelwellenfrequenz gleichzeitig in zwei unterschiedlichen Sprachen zu senden, einer angesichts der in Europa voranschreitenden Entstehung von Regionen insbesondere im grenznahen Bereich interessanten Option. Bis zu einem gewissen Grad ist zudem die Reichweite einer Ausstrahlung steuerbar: Soll diese gesteigert werden, so lässt sich die Übertragung bei etwas herabgesetzter Audioqualität robuster gestalten, was insbesondere im Falle von Ausstrahlungen im Kurzwellenbereich häufig wünschenswert ist.

Unter dem Strich verspricht das DRM-System aus sendetechnischer Sicht eine Reihe von Vorteilen, die die Eigenheiten der analogen Lang-, Mittel- und Kurzwelle (Signalschwankungen, Verzerrungen, Störungen) abstellen werden. Gleichzeitig wird der größte Vorteil der AM-Rundfunkbereiche beibehalten: Die Versorgung ausgedehnter Gebiete und die Überbrückung großer Distanzen mit nur einem Sender.

Perspektive Inlandsrundfunk

Dass in den Hörfunkanstalten das künftige Potenzial von DRM auch für den inländischen Bereich bereits erkannt wurde, ist unter anderem an der hierzulande mittlerweile erheblich gestiegenen Nachfrage nach Mittelwellenfrequenzen zu erkennen. In den zurückliegenden Jahren waren in Deutschland eine ganze Reihe von Mittelwellensendern stillgelegt worden, nicht zuletzt aufgrund der für die Ausstrahlung anfallenden hohen Betriebskosten und der niedrigen Hörerzahlen. Wenn diese Frequenzen nun von den zuständigen Landesrundfunkanstalten zur Neuvergabe ausgeschrieben werden, ist die Liste der Interessenten regelmäßig lang. Denn wer sich heute eine AM-Frequenz auf Lang- oder Mittelwelle sichern kann, könnte in einigen Jahren zu den Vorreitern einer neuen Radioära gehören.

Auch für den lokalen Hörfunk bietet DRM eine Reihe interessanter Optionen. Über Mittelwellensender geringer Leistung und Reichweite eröffnen sich künftig neue Möglichkeiten für Lokalradios, die zuvor angesichts eines vielerorts überfüllten UKW-Hörfunkbereichs kaum eine Chance auf Zuteilung einer Sendefrequenz hatten. Aufgrund der durch die Einführung von DRM verbesserten Audioqualität könnte die Zahl solcher Lokalsender im Mittelwellenbereich merklich ansteigen und zur Entwicklung einer neuen Bürgerfunkkultur beitragen, auch im Rahmen des so genannten Veranstaltungsfunks. Ähnliche Überlegungen bestehen für den Frequenzbereich um 26 MHz am oberen Ende der Kurzwelle: Das dortige 11-m-Rundfunkband wird von internationalen Auslandssendern nur noch sporadisch genutzt und liegt daher weitestgehend brach. Nach einer Freigabe durch die nationalen Regulierungsbehörden könnte der Frequenzbereich künftig durch den Einsatz von DRM-Sendern geringer Reichweite auch für den lokalen Hörfunk eingesetzt werden, auf Wunsch sogar in stereo.

Trotz dieses möglichen Einsatzes für den Inlandsrundfunk betonen DRM-Verantwortliche ausdrücklich, dass man DRM keinesfalls in Konkurrenz zu DAB sieht. Vielmehr würden sich DRM und DAB bei der Digitalisierung des Hörfunks in geradezu idealer Weise ergänzen.

DRM-Empfänger

Die Einführung neuer Übertragungstechnologien erfordert immer auch die Anschaffung neuer Empfangsgeräte bzw. von Zusatzgeräten zur externen Signaldecodierung, damit die übermittelten Inhalte dem Rundfunkteilnehmer auch tatsächlich zugänglich sind. Beispielsweise wird für DAB-Empfang ein entsprechendes Autoradio benötigt, während für den Empfang des digitalen Satellitenrundfunks eine so genannte Settop-Box dient, die zwischen der Satellitenantenne und dem Fernseher bzw. der HiFi-Anlage geschaltet wird. Auch für den Empfang künftiger DRM-Aussendungen auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle ist die Anschaffung eines neuen Empfangsgerätes unvermeidbar.

Zur Unterstützung einer raschenVerbreitung des DRM-Systems auch auf Seiten der Radiohörer verfolgt DRM mehrere Strategien: Bereits vor der offiziellen Einführung von DRM auf Kurzwelle, die für das Jahr 2003 während einer Weltradiokonferenz (WRC-2003; die Freigabe für Lang- und Mittelwelle soll im Rahmen von Regionalkonferenzen erfolgen) vorgesehen ist, soll an private Interessenten eine Softwarelösung abgegeben werden. Diese Software wird in der Lage sein, die DRM-Signale in einem modernen Multimedia-PC zu decodieren und in hörbare Radioprogramme umzuwandeln. Die zu decodierenden DRM-Signale werden von einem herkömmlichen Kommunikationsempfänger für analoge Lang-, Mittel- und Kurzwelle zur Verfügung gestellt und dem PC über dessen Soundkarte zugeführt. Das Empfangsgerät bedarf dabei einer technischen Modifikation, damit das DRM-Signal in der benötigten Bandbreite verfügbar ist. Mit dieser Lösung, die sich hauptsächlich an technisch interessierte Anwender mit entsprechender Ausrüstung wendet, werden die für das Jahr 2002 angekündigten DRM-Pilotsendungen bereits decodierbar sein. Stellt man heute mit einem herkömmlichen Empfangsgerät die Frequenz einer DRM-Testsendung ein, so hört man dort lediglich ein intensives Rauschen. Die für die Decodierung von DRM-Signalen notwendige Software sowie eine Anleitung zur Modifikation des Empfängers sollen über das Internet vertrieben werden. Nähere Informationen darüber werden sobald diese verfügbar sind unter www.drm.org bekannt gegeben.

Für eine allgemeine Einführung von DRM sind derartige Sonderlösung jedoch kaum geeignet. Es werden vielmehr einfach zu bedienende Komplettlösungen benötigt, die sich hinsichtlich ihrer Bedienung nicht wesentlich von herkömmlichen Radiogeräten unterscheiden. Und da man offenbar aus den Fehlern gelernt hat, die bei der Einführung von DAB auftraten, sollen künftige DRM-Empfänger weder deutlich teurer sein als bisherige Radiogeräte, noch soll man lange nach ihnen in den Fachgeschäften suchen müssen. Konkret bedeutet dies, dass ein DRM-taugliches Empfangsgerät den Endverbraucher im Vergleich zur herkömmlichen Technik rund 50 Euro mehr kosten soll. Da auch einige bedeutende Hersteller von Weltempfängern zu den Mitgliedern des DRM-Konsortiums zählen, stehen die Chancen auf eine Einhaltung dieser Ankündigung gar nicht schlecht. Bei den ersten Geräten wird es sich um Allbandempfänger handeln, die neben DRM auch weiterhin die analogen Übertragungen empfangen. Im Gegensatz zu DAB will man sich bei DRM von Beginn an nicht auf die Unterstützung bestimmter Gerätearten beschränken, es wird also portable, mobile und stationäre Empfänger geben.

Für Hersteller und Handel bietet ein sich künftig entwickelnder DRM-Empfängermarkt ein gewaltiges Potenzial: Geschätzte weltweit 2,5 Milliarden Empfangsgeräte, davon rund 700 Millionen mit Kurzwellenbereich, könnten langfristig gegen DRM-taugliche Modelle ausgetauscht werden. Erste Empfangsgeräte im Hochpreissegment werden für das Jahr 2003 zur Internationalen Funkausstellung erwartet. Ein Jahr später sollen bereits Billigversionen mit eingebauten DRM-Chipsätzen den weltweiten Markt erobern.
Zusatzdienste

Neben einer verbesserten Empfangs- und Audioqualität bietet DRM eine Reihe weiterer Möglichkeiten, die vor allem die Praxis des internationalen Radioempfangs erleichtern. Dies betrifft insbesondere das Auffinden eines bestimmten Hörfunksenders auf Kurzwelle: Während man heute noch dessen Sendefrequenz kennen muss, damit man diese manuell über eine Tastatur dem Gerät mitteilt, reicht künftig die Eingabe einer kurzen Senderkennung (z. B. DWD für „Deutsche Welle, deutsches Programm“ oder BBCE für „BBC World Service, englisches Programm“). Der DRM-Empfänger sucht daraufhin selbst nach der Frequenz, die am jeweiligen Standort die beste Signalqualität für das gewünschte Programm bietet. Gleichzeitig werden im Hintergrund über den DRM-Datenstrom empfangene Informationen über weitere Frequenzen gespeichert, auf denen dieses Programm ebenfalls ausgestrahlt wird. Verschlechtert sich die Empfangsqualität auf der aktuell von der Automatik des Empfängers eingestellten Frequenz, wechselt diese umgehend auf einen anderen Kanal mit besserer Signalqualität. Auf diese Weise sorgt das System selbst für optimale Empfangsergebnisse, ohne dass hierfür manuelle Bedienvorgänge notwendig sind oder wie bisher Alternativfrequenzen auswendig gelernt und eingegeben werden müssen. Damit werden für eine effektive Nutzung des Mediums Kurzwelle künftig weniger Spezialkenntnisse verlangt.

Zusätzlich zu Audio- und Frequenzdaten können weitere Informationen über den DRM-Datenstrom an das Empfangsgerät übermittelt werden. Hierzu zählen programmbegleitende Texte wie Programmhinweise, Musiktitel, Verkehrs-, Wetter- und Wirtschaftsinformationen. Diese werden intern gespeichert und stehen auf Knopfdruck für die Wiedergabe auf einem Display bereit. Ein Großteil dieser Zusatzdienste ist bereits vom analogen UKW-Hörfunk bekannt und finden sich nun bei DRM wieder. Denkbar wären neben kostenlosen auch kostenpflichtige Informationsdienste für spezielle Anwendungen. Selbst Bilder könnten auf diesem Weg in den Speicher des DRM-Empfängers übertragen werden.

Prognose

Der angestrebte Zeitrahmen für die weltweite Verbreitung von DRM wird von Mitgliedern des Konsortiums mit 15 - 20 Jahren angegeben. Während dieser Zeitspanne wird es in den heutigen AM-Hörfunkbereichen neben den digitalen auch weiterhin analoge Ausstrahlungen geben, so dass die heute verbreiteten analogen AM-Empfänger ihren Nutzwert keinesfalls von heute auf morgen verlieren werden. Angestrebt wird ein sanfter Übergang von der alten auf die neue Technik. Es ist kaum damit zu rechnen, dass innerhalb weniger Jahre sämtliche Betreiber von analogen AM-Sendeanlagen auf DRM umstellen. Dagegen spricht einerseits die in vielen Sendeanstalten angespannte Haushaltslage, wodurch Investitionen erschwert werden. Andererseits lassen sich gar nicht alle Sendeanlagen für die neue Technik ohne weiteres umrüsten. Zudem müssen insbesondere die internationalen Sendeanstalten darauf achten, dass diese nicht durch einen überstürzten Umstieg auf digitale Ausstrahlungen einen Großteil ihres Hörerstamms einbüßen. Speziell außerhalb der Industrienationen ist kaum mit einer raschen Verbreitung von DRM-tauglichen Empfangsgeräten zu rechnen, da dort oftmals die Kaufkraft fehlt (siehe das Beispiel WorldSpace). Es wird also für Auslandssender wie die Deutsche Welle notwendig sein, über einen längeren Zeitraum hinweg gleichzeitig analog und digital auszustrahlen, um die bisherige Hörerschaft auch weiterhin zu erreichen. Wahrscheinlich ist ein je nach Zielgebiet unterschiedlicher Zeitrahmen für die Umstellung der Kurzwellenausstrahlungen von analog auf digital.

Anders stellt sich die Situation in solchen Ländern dar, in denen Lang-, Mittel- und Kurzwelle aufgrund einer flächendeckenden Versorgung mit UKW-Hörfunk und einer vielfältigen Medienlandschaft ohnehin nur noch wenig genutzt werden. Dort wird die Digitalisierung der AM-Hörfunkbereiche und die damit verbundene Steigerung der Audioqualität nicht zuletzt angesichts knapper UKW-Frequenzen eine deutliche Wiederbelebung dieser Wellenbereiche für die Inlandsversorgung auslösen. Speziell für Programme mit hohem Wortanteil stellen die von DRM gebotenen Leistungen eine geradezu ideale Lösung dar.

Nur solche neuen Projekte und Produkte haben eine reelle Erfolgschance beim Endverbraucher, die diesem einen eindeutigen Vorteil gegenüber einer bisherigen Lösung bieten. Diese Erkenntnis auf DRM angewendet, stehen die Chancen auf eine rasche und zudem breite Akzeptanz aus derzeitiger Sicht ähnlich gut wie vor rund zehn Jahren für die Musik-CD: Die Vorteile des digitalen gegenüber des analogen Hörfunks auf Lang-, Mittel- und Kurzwelle sind derart offensichtlich, dass ein Erfolg des neuen Systems beim Endverbraucher kaum ausbleiben wird. Dies gilt allerdings unter der Voraussetzung, dass die notwendigen DRM-Empfänger tatsächlich nur unwesentlich teurer sind als bisherige Radiogeräte.

Da zudem für die Sendeanstalten geringere Ausstrahlungskosten bei gleichzeitig identischer Reichweite geboten werden, dürfte das lokale und überregionale Programmangebot für DRM-taugliche Empfangsgeräte nach der offiziellen Einführung des Systems zumindest in den Industrienationen rasch ansteigen. Im deutschsprachigen Raum werden die Deutsche Welle (Kurzwelle) und Deutschlandradio (Mittel- und Langwelle) zu den ersten Nutzern von DRM gehören.