Hörfunk auf klassischen Wegen

Hörfunk auf klassischen Wegen Niels Gründel 11 Dezember, 2008 - 00:10

Langwelle - völlig vergessen

Langwelle - völlig vergessen Mario Gongolsky 11 August, 2007 - 01:00

Der Rundfunk auf Langwelle zwischen 150 und 300 kHz ist die Wiege des nationalen Hörfunks. Der entscheidende Vorteil ist die gute Reichweite und hohe Flächenabdeckung. Immerhin kann das Deutschlandradio mit zwei Sendern (153 kHz und 207 kHz) das gesamte Bundesgebiet Tag und Nacht mit seinem Programm in Telefonqualität versorgen.

In den Nachtstunden ist wegen ausbreitungsphysikalischer Gründe sogar eine Versorgung in ganz Mitteleuropa gewährleistet. Durch die geringe und zudem sehr statische Frequenzbelegung ist hierbei die Empfangsqualität punktuell besser als auf Mittelwelle oder Kurzwelle. Jedoch nehmen nachts auch die Störungen durch andere Stationen zu.

Auf der Sollseite stehen die enormen Sendeleistungen mit bis zu zwei Millionen Watt und die damit verbundenen Stromkosten. Der Rundfunk auf Langwelle wird seine Daseinsberechtigung haben bis der nationale Hörfunk eine flächendeckende Versorgung per UKW erreicht hat. Während wir hier die Ablösung des UKW-Systems diskutieren, gibt es also immer noch weiße Flecken auf der Versorgungskarte.

Wer aber hört Radio auf Langwelle, mag man sich fragen? Die Stereoanlagen haben meist keinen Langwellenteil mehr und einfache Radios bieten hier trotz einer „LW-Taste” kaum brauchbaren Empfang. Um so erstaunlicher, dass über Jahre hinweg ein Gemeinschaftsprojekt von RTL und dem irischen Rundfunk mit dem Titel „Atlantic 252” erfolgreich als irische Popwelle geführt wurde. Inzwischen hat der staatliche irische Rundfunk die Frequenz übernommen. Die Frage nach dem Hörerpotenzial hat natürlich seine Berechtigung. Allein in Frankreich wird die Langwelle derzeit überdurchschnittlich genutzt. Hier nehmen die Privatsender Europe 1, RMC und RTL sowie das staatliche France Inter hohe Stromrechnungen in Kauf, um das Land flächendeckend zu versorgen. Auch die Weiten Russlands werden in einigen Bereichen allein durch Langwelle abgedeckt.

Der Langwelle könnte durch eine Digitalisierung nach dem DRM-Standard zu mehr Attraktivität verholfen werden. Eine digitale Langwelle verbindet eine hohe geografische Reichweite mit deutlich besserem Klang und weniger Sendeenergiekosten.

Mittelwelle - blüht im Verborgenen

Mittelwelle - blüht im Verborgenen Mario Gongolsky 11 Juli, 2007 - 01:00

„Wir haben keine Frequenzknappheit auf UKW, wir sind nur schlecht organisiert.”

Ein provokante These, finden Sie? Mitnichten. Schon vor Jahren, als der Streit um die ersten UKW-Frequenzen für Privatradios in Deutschland geführt wurde, hatten die Niederländer eine recht patente Lösung im Gepäck. Wortprogramme, deren Klangqualität nun nicht zwingend die HiFi-Norm erreichen muss, wechselten auf Mittelwelle und schafften auf UKW Platz für Musikprogramme.

In ganz seichten Ansätzen gibt es so etwas auch in Deutschland. Die Popwellen der ARD sind normalerweise nicht auf Mittelwelle vertreten, sondern eher die wortlastigen Infowellen. Auch die Bundestagsdebatten kommen nur über die Mittelwellensender. Nur keine Quote für den staatlichen Grundversorgungsauftrag opfern, lautet die Devise. Es geht also nicht um eine geschickte Frequenznutzung, sondern nur um Hörerzahlen. Wann haben Sie die letzte Bundestagsdebatte auf Mittelwelle gehört? Na eben! Die Angst, dass der Hörer auf ein anderes Programm „zappt”, ist einfach zu groß. UKW-Hörer, so weiß man aus Nutzungsanalysen, unternehmen keine Streifzüge durch das Programmangebot. Ein Senderwechsel erfolgt nur etwa zwei Mal die Woche. Ein Hörerverlust wäre schmerzlich und möglicherweise von längerer Dauer.

Nicht gerade sinnvoll auch die Taktik, Autofahrer für Verkehrsnachrichten in voller Länge auf die Mittelwelle zu lotsen, um auf UKW den Programmablauf nicht zu stören. Schließlich sendet manche Privatwelle keine Verkehrs- nachrichten aus und erkämpft sich damit einen geringeren Nervfaktor beim „zu Hause hören”. Das Ausweichen auf Mittelwelle ist also auch hier nicht mehr als eine Schadensbegrenzung für die Quote.

Warum wollen die Infowellen, ob Privatradios oder ARD-Anstalten, nicht auf die Mittelwelle? Ganz klar, aus kommerziellen Gründen verteidigt jeder seine UKW-Frequenzen bis auf das Messer. UKW ist Hörerzahl mal Werbeeinnahme. Dass ein Angebot Nachfrage nach sich ziehen kann, davon hat man zwar schon etwas gehört, aber warum sollte man den riskanten Anfang machen. Hier wäre entgegen zahlreicher anderer Stellen eine staatliche Regulierung heilsam.

Die stiefmütterliche Behandlung der Mittelwelle erzeugt langfristig natürlich weitere Schwierigkeiten. Nach und nach verschwinden mittelwellenfähige Empfangsgeräte aus den Haushalten. Empfänger, die in der Lage sind auf Mittelwelle mehr als nur knattern und pfeifen zu liefern, sind heute schon rar geworden.

Hier hilft nur ein Blick in die Niederlande und nach Großbritannien, denn dort gibt es nach wie vor eine ganz vitale Rundfunklandschaft auf Mittelwelle. Talkradios und Special-Interest-Musikprogramme erobern ihr Publikum per Mittelwelle, um im Erfolgsfall ihr UKW-Sendernetz zu spinnen. Grandios zum Beipiel der Erfolg von „Virgin 1215” in England. Die Behörden wollten den Plattenmulti „Virgin Records” nicht auf UKW lassen. Der Sender trat seinen Siegeszug auf der vermeintlich chancenlosen Mittelwelle an und mischte die Musikredaktionen der altehrwürdigen BBC-Lokalsender auf. Heute ist Virgin aus der Radiolandschaft der Insel nicht mehr wegzudiskutieren. Mit drei Frequenzen konnte die gesamte Insel versorgt werden und die dienen auch heute noch als Füller für zahlreiche unversorgte Gebiete. Auf der Frequenz 1.215 kHz kann das Programm nachts auch in Deutschland gut empfangen werden.

Ein Musiksender auf Mittelwelle? Wie passt das zusammen?

Zugegeben, ein Klangerlebnis ist die analoge Mittelwelle nicht gerade, doch wer genießt den Stereoklang im Badezimmer, in der Küche oder im Büro? Überall wo Radio als akustischer Hintergrund genutzt wird, und dies dürfte auf 80 % der täglichen Hördauer zutreffend sein, kann auch die Mittelwelle reichen, wenn ein ordentlicher Mittelwellenempfänger dafür zur Verfügung steht.

Technische Potenziale

Schon 1993 gab es einen deutschen Vorstoß, der Mittelwelle neues Leben einzuhauchen. Analog zum RDS auf UKW sollte ein AMDS für die Mittelwelle eingeführt werden. Zu den Funktionen zählte die Anzeige des Sendernamens in Klarschrift und der automatische Wechsel auf alternative Sendefrequenzen, wenn der Empfang dort besser ist. In langen praktischen Versuchen, die übrigens durchaus erfolgreich verliefen, wurde das Verfahren geprüft und international als Standard angemeldet.

Doch weder Veranstalter noch Geräteindustrie wollten einen Marktgang wagen. Nachdem die Pläne wieder in der Schublade verschwunden waren, prognostizierten viele Fachleute, dass ein Rettungsversuch für die Mittelwelle zu spät kommen würde. Doch der UKW-Frequenzmangel und die nutzbaren Mittelwellenkapazitäten mit der damit verbundenen Agilität der Mittelwellenszene sprechen eine latent andere Sprache.

Hören Sie Mittelwelle?

Vermutlich nicht. Dann wird es Sie überraschen, dass Rundfunkveranstalter und solche, die es werden wollen, in Deutschland bei den Landesmedienanstalten inzwischen Schlange stehen, um doch noch eine Mittelwellenfrequenz zu bekommen. Im UKW-Bereich ist die Hoffnung eine Frequenz zugeteilt zu bekommen eine völlige Illusion. Die neuen, kleinen Veranstalter wollen offensichtlich das Risiko der Nichtbeachtung eingehen: Lieber auf der Mittelwelle, als gar nicht auf Sendung. Da tröstet man sich zwischenzeitlich mit dem Faktor einer höheren geografischen Reichweite und dem Ausblick, dass mit der Digitalisierung der Mittelwelle goldene Zeiten über die mutigen Mittelwellenveranstalter hereinbrechen werden.

DRM

Nun könnte die Mittelwelle doch noch in den Genuss einer technischen Komplettrenovierung kommen. Das Verfahren, das die Kurzwelle für den weltweiten Radioempfang zukunftsfähig machen soll, kann auch für eine Digitalisierung des Rundfunks auf Mittelwelle sorgen.

Die Rede ist von „Digital Radio Mondiale”, einem digitalen Hörfunkverfahren, dem wir ein eigenes Kapitel gewidmet haben. Mittelwellensignale werden ebenso wie Kurzwellensignale in Amplitudenmodulation ausgestrahlt. Der Sender- beziehungsweise Kanalabstand ist auf Mittelwelle größer als auf der Kurzwelle, was schon heute einen besseren Klang der Mittelwelle im Vergleich zur Kurzwelle ausmacht. Im Digitalverfahren dürfte dieser Klangvorsprung dann erhalten bleiben und die Mittelwelle in die Nähe des heutigen UKW-Rundfunks bringen. Zugleich werden durch die Digitalisierung des abgestrahlten Signals Sendeleistungen und damit Betriebskosten eingespart.

Bis ein solches System europaweit eingeführt ist und ausreichend viele Empfänger verkauft wurden, wird aber sicher noch sehr viel Zeit vergehen.

Mittelwellen-Prognose

Totgesagte leben länger. Die Mittelwelle ist weder tot noch überflüssig. Sie ist nicht nur eine Frequenzreserve, sondern auch ohne Digitalisierung eine durchaus leistungsfähige Alternative zum UKW-Rundfunk. Wenigstens einen ordentlichen Mittelwellenempfänger im Haushalt sollte es geben.

Auf der Suche nach einem geeigneten Empfänger wird man bei hochwertigen Kofferradios fündig. Eine Gerätegattung die nicht gerade zu den Verkaufsschlagern zählt. Markengeräte in der Preislage von etwa 50 Euro sollten hier gute Dienste leisten können. Weiter kommen Weltempfänger in Betracht, doch diese sind deutlich kostspieliger (ab 150 Euro).

Alternativ sollten sich Interessenten auf den vorhandenen (Online-)Märkten nach alten Röhrenradios umsehen. Diese Geräte wurden noch für den Mittelwellenempfang konstruiert, sind fast immer sehr günstig zu haben (5 bis 50 Euro) und funktionieren hervorragend. Oft ist ein solches Gerät auch noch ein Schmuckstück in der Wohnung und bringt durch seine Ergonomie (Beleuchtete Skala, entprechend große und passend angeordnete Drehknöpfe für Lautstärke und Sendersuche sowie dem “Magischen Auge”) auch einen Spaßfaktor beim “Radiodrehen”, also beim Sender suchen.

 

Kurzwelle - Welt ohne Schranken

Kurzwelle - Welt ohne Schranken Mario Gongolsky 10 Februar, 2007 - 01:00

Der internationale Rundfunk hat seine eigenen Wünsche und Gesetze. Hier steht die flächige Verbreitung der Programme im Vordergrund, die auch nicht auf einen Kontinent begrenzt bleibt, sondern eine globale Empfangbarkeit erfordert. Um dem Programm eines Auslandsdienstes in der ganzen Welt Gehör zu verschaffen, gibt es bislang nur ein Medium: Die Kurzwelle. Doch mehr Hörer erreicht man heute in technisch entwickelten Regionen der Welt, wenn man den Verbreitungsweg wählt, auf dem die Hörermassen auch zuhören. Damit ist keinesfalls die Kurzwelle, sondern UKW gemeint. Doch leider ist eine weltweite Versorung mit allen Aulandsdiensten per UKW nicht möglich. Tatsächlich steht der Auslandsrundfunk vor dem Dilemma, per Gießkannenprinzip auf allen Verbreitungswegen Präsenz zu zeigen. Ein schwieriges Unterfangen, welches besonders in Fällen internationaler Krisen oder gar kriegerischer Auseinandersetzungen durch die Frage kompliziert wird, wer welchen Verbreitungskanal kontrolliert.

Ein „Gatekeeper” (= Torwächter) kann direkt oder indirekt politisch erpressbar sein und sperrt schlimmstenfalls Verbreitungswege der Auslandsdienste. UKW-Wiederaustrahlungen (Rebroadcasting), Satellitenausstrahlungen, Kabelaussendungen, überall liegen Stolpersteine auf dem Weg vom Sender in das Wohnzimmer des Hörers im Zielgebiet.

Besonders der Satellit wird gerne zur Verbreitung des Auslandsrundfunks benutzt. Für ihn sprechen unter anderem auch die Kosten, denn um einen Kontinent mit einem Radioprogramm versorgen zu können, reicht unter Umständen ein einziger Transponder, während auf anderen Verbreitungsmedien ein deutlich höherer Aufwand für eine zuverlässige Flächenabdeckung betrieben werden muss. Doch politisch motivierte Empfangsverbote für Satellitenausstrahlungen im Iran, Afghanistan und Nordkorea sprechen gegen den Satelliten als Radioversorger. Auch die Wirkung eines Torwächters, wie zum Beispiel die gesperrte Übertragung des serbischen Fernsehens während der NATO-Angriffe 1999, veranlasst durch die European Broadcasting Union (EBU), bei der Serbien sogar Mitglied ist, demonstriert eindrucksvoll die Unsicherheitsfaktoren für die internationale Programmverbreitung per Satellit.

Die Kurzwelle bleibt für die weltweite Hörfunkverbreitung durch Auslandsdienste eine gänzlich unverzichtbare Technik. Weder der Satellit noch das Internet kann etwas an dieser Tatsache ändern.

Wer hat schon einen PC mit funktionierender Telefon- und Internetverbindung im Keller, um im Kriegsfall Nachrichten zu hören? Welcher Flüchtling kann in seinem Bergversteck Satellitenradio hören? Ein Radio mit Kurzwellenteil funktioniert immer und überall. Aufziehbare Dynamoradios machen sogar teure Batterien überflüssig. Viele solcher Radios wurden 1999 an Kosovoflüchtlinge verteilt. 2001 warfen die US-Militärs derartige Radios über Afghanistan ab.

Auch umgekehrt finden politische Kräfte mit Sendungsbedürfnis aus Krisengebieten in der Kurzwelle ein geeignetes Medium. Ob Freischärler in Afghanistan oder die Untergrundbewegung für eine freie Sahelzone, mit einem kleinen Laster, einigen Metern Antennendraht, irgendwo in der Wildnis versteckt gehen sie auf Sendung und sind einige hundert bis viele tausend Kilometer weit zu empfangen.

So funktioniert die Kurzwelle

Die Radiowellen des Kurzwellenspektrums sind kurz genug, um nicht einfach in Bodennähe der Erdkrümmung zu folgen, aber nicht kurz genug, um die elektrisch geladenen Schichten der oberen Erdatmosphäre zu durchdringen. Die Wellen werden vielmehr oben von der Ionosphäre und unten vom Erdboden reflektiert. Derart zwischen Ionsophäre und Boden gefangen, können sie eigentlich die ganze Welt erreichen.

Soviel zur Theorie. In der Praxis entscheiden etliche andere wichtige Einflussparameter über die Güte der Wellenübertragung auf langen interkontinentalen Funkstrecken. Zum Beispiel die Frage, ob es Tag oder Nacht ist, Sommer oder Winter, und wieviel Sonnenflecke auf mehr oder weniger starke Erruptionsvorgänge der Sonnenoberfläche hinweisen. All diese Parameter verändern die Beschaffenheit der Ionosphäre und damit ihre Fähigkeit, Radiosignale der Kurzwelle zu reflektieren.

Beim Umgang mit einem Kurzwellenempfänger stellt sich ein brauchbarer Empfang meist erst dann ein, wenn die Auswirkungen solcher Parameter überhaupt bekannt sind. Um im Sommerurlaub in Übersee also erfolgreich die Deutsche Welle empfangen zu können, muss man die Frequenzen des Sommer- und Winterfrequenzplanes kennen und abhängig von Jahres- und Tageszeit mehrere Frequenzen ausprobieren.

Viele moderne Reiseempfänger haben Standardfrequenzen der großen Auslandsdienste vorprogrammiert und suggerieren damit Empfangserfolge auf Knopfdruck, die sich in der Praxis aber nicht immer einstellen wollen. Zu kompliziert in der Handhabung, zu schlecht in der Klangqualität, Millionen von durchaus leistungsfähigen Reisekurzwellenempfängern verstauben bis zum Urlaubseinsatz unter deutschen Badehosen.

Was ist zu hören?

Rund 3.000 verschiedene Sender können physikalisch gesehen in Mitteleuropa empfangen werden. Neben den großen Auslandsdiensten wie der Deutschen Welle, der BBC, der Voice of America oder Radio France Internationale tummeln sich insgesamt knapp 200 Länder auf der Kurzwelle und versuchen sich mit ihren Programmen Gehör zu verschaffen. Über 30 Sender strahlen übrigens auch Programme in deutscher Sprache aus.

Es sind aber nicht immer die Auslandsdienste, die Menschen im 21. Jahrhundert veranlassen, sich ein Hobby aus dem Radiohören auf Kurzwelle zu machen. Ein besonderer Reiz liegt sicher in den vielen auf Kurzwelle empfangbaren Inlandsstationen. Gerade für die nationale Rundfunkversorgung spielt die Kurzwelle in großflächigen Entwicklungs- und Schwellen- ländern eine Rolle. In eigens dafür eingerichteten Frequenzabschnitten, die gerne als Tropenbänder bezeichnet werden, kann man Zeuge brasilianischer Fußballübertragungen werden oder der Musik exotischer Länder lauschen.

Bin ich ein Kurzwellenhörer?

Der analoge Kurzwellenempfang spielt im Bewußtsein der Radiohörer heute keine Rolle mehr. Zugleich entwertet sich die Kurzwelle dadurch als politisches Instrument zur Meinungsbildung in Europa. Im deutschsprachigen Raum kann man von 50.000 bis 70.000 aktiven Kurzwellenhörern ausgehen, von denen der überwiegende Teil das Kurzwellehören als Hobby betrachtet.

Die theoretische, technische Reichweite ist dabei um ein Vielfaches höher, denn ein Reisekurzwellenempfänger findet sich in den meisten Haushalten. Genutzt werden diese Geräte aber in der Tat nur während der Urlaubszeit in fremden Gefilden, um damit die Deutsche Welle zu hören, oder Meldungen zu den Bundesligaergebnisse zu empfangen. Nicht immer sind diese Versuche von Erfolg gekrönt, denn die Kurzwelle benötigt kundige und informierte Benutzer, die Frequenztabellen lesen können und verstehen, zu welcher Tageszeit welche der angegebenen Frequenzen am besten zu empfangen ist. Selbst modernste Technik schützt vor Misserfolgen nicht. Die Wellenausbreitung hat ihre Unregelmäßigkeiten. Neben der schwierigen Handhabung ist auch der Klang weit davon entfernt befriedigend zu sein.

Tatsächlich ist bei Telefonqualität auch schon der klangliche Horizont der Kurzwelle erreicht. Besonders billige Reiseempfänger bringen viele Störgeräusche zu Gehör. Pfeifen und Kratzen von benachbarten Stationen, eine stark schwankende Lautstärke mit Verzerrungen. Kurzum, der Empfang bereitet kein akustisches Vergnügen.

Diese Faktoren führen dazu, daheim den Kurzwellenempfänger sofort wieder im Kleiderschrank einstauben zu lassen. Vergessen bis zur nächsten Fernreise.

Anders hören

Die Programme auf der Kurzwelle sind in aller Regel Wortprogramme. Einen Kurzwellen- empfänger schaltet man nicht einfach ein wie ein Küchenradio. Während man den Fernseher immer mit der Absicht einschaltet, fern zu sehen, schalten viele Menschen ihr Radio ein, ohne die Absicht zu haben, sich mit dem Hören der Radiosendung zu befassen. Radio ist vielfach eine Geräuschkulisse nebenbei. Wortprogramme auf Kurzwelle erfordern jedoch einen aufmerksamen Zuhörer.

Prognose

In den weniger entwickelten und weniger wohlhabenden Regionen der Erde, spielt die Kurzwelle sehr wohl eine Rolle. Da gibt es ein Radio im Dorf, um diese auf einer Holzplatte zusammengeschraubten Einzelteile und der alten Autobatterie versammelt man sich, um wenigstens einmal Nachrichten aus der Hauptstadt hören zu können.

In den Industriestaaten pflegt man einen wesentlich - sollte man sagen - unreligiöseren Umgang mit dem Radio? Seichtes auf Knopfdruck, in bester Klangqualität. Radio als akustischer Zierrat. Auch die Hörer von Informationssendungen erwarten Programme nach ihrem Geschmack im Handumdrehen. Die knisternde Kurzwelle ist da eine antiquierte technische Wissenschaft. Etwas für Freaks oder Nostalgiker. Erst im Krisenfall (Golfkrieg, Nato-Luftangriffe auf Jugoslawien), wenn die gewohnten, komfortablen Informationskanäle zusammen zu brechen drohen, ist das Know-How der Kurzwellenhörer wieder gefragt.

Von einer zukunftsfähigen Kurzwelle erwartet der Radiohörer in Europa beim Klang zumindest Telefonqualität und eine entscheidend einfachere Handhabung, die Empfangserfolge garantiert. Nichts von alledem kann die analoge Kurzwelle heute bieten.

Doch die herkömmliche Kurzwellentechnik bleibt selbst bei Einführung eines neuen digitalen Verfahrens noch für mindestens 15 Jahre unverzichtbar. Um jeden Winkel der Welt zu erreichen, kann der Rundfunkveranstalter nicht davon ausgehen, dass die Landbevölkerung in Entwicklungsgebieten in der Lage sein wird, ein neues Radio zu kaufen, dessen Preis etwa einem Jahreseinkommen entspricht.

Der Hörfunk wird digital und macht auch vor der rauschenden und pfeifenden Kurzwelle nicht halt.

UKW - Voll bis unters Dach

UKW - Voll bis unters Dach Mario Gongolsky 27 März, 2007 - 01:00

Seit über 30 Jahren ist die Abkürzung UKW das Synonym für Radio. Die Ultrakurzwelle mit ihrer breiten Frequenzmodulation brachte uns Radio in Stereoqualität ins Haus. Trotz der technischen Verbesserungen im Bereich des Handlings und zusätzlichen Diensten wie RDS (= Radio Daten System) entspricht der analoge Hörfunk auf UKW keineswegs mehr den technischen Möglichkeiten eines klangstarken Rundfunkempfangs.

Qualität

Im Vergleich zur Audio-CD hat der UKW-Rundfunk wenig Übertragungsbandbreite und vor allem einen kleinen Dynamikumfang. Das Rauschen ist in leisen Musikpassagen nicht zu überhören. Auch die Stereokanaltrennung und die damit verbundene Räumlichkeit des Klangeindrucks erscheint wenig zeitgemäß. Durch die Zulassung des privaten Hörfunks in Deutschland und anderswo sind zudem die Frequenzen knapp geworden. Der Anzahl der Genehmigungsanträge für UKW-Sendefrequenzen steht kein ensprechendes Frequenzangebot gegenüber. Durch die schon heute kritische Kanalbelegung ist der mobile Empfang häufig gestört. Undichte Kabelnetze, die im gleichen Frequenzbereich ebenfalls Radioprogramme in die Haushalte führen, haben den „Wellensalat” perfekt gemacht.

Frequenzchaos

Seit über 20 Jahren gibt es auch den privaten Rundfunk in Deutschland. Die Frequenzsituation hat sich dadurch weiter verschärft. Besonders die privaten Rundfunkanbieter reiben sich an den breit ausgebauten Programmschienen der öffentlich-rechtlichen Anstalten und werfen den Medienwächtern (= Landesrundfunkanstalten) in Deutschland vor, die ARD-Radios bei der Frequenzvergabe zu bevorzugen. Ohne sich an dieser Stelle auf eine solche Diskussion einzulassen, kann doch festgehalten werden, dass die privaten Radioketten durchaus Schwierigkeiten haben, genügend Frequenzen für eine flächendeckende Versorgung zugewiesen zu bekommen. In anderen Ländern Europas ist diese Situation des Frequenzmangels durchaus noch steigerungsfähig. Geringe Bevölkerungsdichten wechseln mit großen Ballungszentren ab. Beispiel Paris: Jede Bevölkerungsgruppe könnte einen Radiosender genehmigt bekommen, wenn hinreichend Frequenzen zur Verfügung ständen. Daran ist derzeit nicht zu denken. In den ländlichen Gebieten haben selbst private Radioketten wie Energy (NRJ) oder Fun-Radio kaum Interesse an Sendekapazitäten.

Ein alternatives Hörfunksystem muss neben technisch tadellosen und wohlklingenden Empfangsmöglichkeiten vor allem Kanalkapazitäten bieten. Den Anforderungen wird der bisherige UKW-Hörfunk natürlich längst nicht mehr gerecht.

Kurieren am Symptom

So etwa könnte man die Verbesserungen in der UKW-Hörfunk-Empfangstechnik umschreiben. Die wichtigste Neuerung ist sicher das Radio-Daten-System, kurz RDS genannt. Der Nutzen von RDS liegt vor allem beim mobilen Einsatz im Auto auf der Hand. So wird der Sender mit Namen und nicht mehr als Frequenz im Display angezeigt. Zugleich liest ein RDS-UKW-Empfänger die gesamte Frequenzliste eines Programms ein und vergleicht die Frequenzen auf ihre Empfangsgüte. In der Praxis bedeutet dies, dass ein einmal eingestellter Sender im gesamten Sendegebiet empfangen werden kann, ohne nochmals per Hand nach einer besseren Frequenz suchen zu müssen.

Die weiteren Dienste des RDS, wie Radiotext mit programmbegleitenden Textinformationen, Uhrzeitinformation und dergleichen mehr, werden weit weniger beachtet. Auch dauerte es enorm lange, bis Gerätehersteller und ARD-Rundfunkanstalten diese Dienste auch wirklich anboten. Der Durchbruch kam erst in den vergangenen drei Jahren. Und nun gibt es auch im Heimbereich eine Nachfrage nach RDS-tauglichen Empfängern.

Der Textdienst, Radiotext genannt, hat im SWIFT-Datendienst eine technische Fortsetzung gefunden, doch auch hierfür mahlen die Mühlen zur praktischen Einführung zäh und langsam. Sehr langsam kommt der RDS-Dienst „TMC” (= Traffic-Message-Channel) in Gang. Dort werden die Verkehrsnachrichten in Textform abgelegt und können durch den Autofahrer jederzeit abgerufen werden. Für TMC besteht jedoch definitiv Hoffnung.

Auf der Senderseite bieten „Soundkonditioner” akustische Kosmetik. Verstärkung im Bass- und Höhenbereich für Musik, Mittenbetonung für Sprachbeiträge, oder gleiche subjektive Lautstärkepegel zwischen Werbung und Programm. Wie gesagt, oberflächliche Kosmetik, aber kaum Möglichkeiten zu einer echten Klang- oder Empfangsverbesserung.

Zukunftsaussichten

Trotz aller Unzulänglichkeiten ist im digitalen Universum derzeit kein System in der Lage, den UKW-Hörfunk abzulösen. Nur per UKW ist die Bevölkerung flächendeckend in jedem Haushalt erreichbar. Es wird noch Jahre dauern, bis sich ein alternatives System herauskristallisiert, welches das Potenzial hat, UKW in ganz Europa abzulösen. Wer also sein Geld in einen hochwertigen Tuner investiert, wird damit in den kommenden zehn Jahren ein entsprechendes Hörfunkangebot empfangen können.