Siechtum statt Innovation


Mario Gongolsky 11. April 2007

(rh)

Leise und heimlich streichen die Privaten ihre DAB-Ausstrahlungen. Radio ist schon digital. Im Internet - und das hat fast jeder. Die Landesmedienanstalten haben keine Lust mehr, den Scheinaktionismus per Subventionen zu finanzieren. Schlau ist bloß weder die Subvention, noch ihre Streichung.

In Baden-Württemberg, einem Bundesland mit bislang durchaus vorzeigbarer DAB-Programmauswahl, ist das Sterben der DAB-Programme besonders auffällig. Hier strich die Landesmedienanstalt die Sendekostenförderung. Sunshine live, Radio RegenbogenDer Sender hat seinen Sitz in Mannheim; das offizielle Sendegebiet liegt im westlichen Landesteil Baden-Württembergs in Baden. Er ist aber auch in den angrenzenden Regionen zu hören., Radio Ton und BigFM zögerten nicht, den DAB-Ausstieg zu veranlassen. Nur fast geschenkt war Digital Radio DAB nicht zu teuer. Bei BigFM kann der südbadische Raum mit UKW zwar nicht versorgt werden, aber zum Geldverdienen reicht die UKW-Hörerreichweite völlig aus. Bei Sunshine live setzt man vor allen Dingen auf eine weitere Verbreitung in Kabelnetzen. Auf DAB in Mannheim und Ulm lässt sich da durchaus verzichten.

Interessanterweise befragt BigFM derzeit seine Hörer, was sie sich denn unter Digital Radio so vorstellen und was sie sich vom digitalen Radio erhoffen. DAB spielt in dieser Befragung keine Rolle. Neben dem klassischen UKW wird vor allen Dingen die Internetradio-Nutzung abgefragt. Nur kurz erkundigt man sich, ob man Möglichkeiten, BigFM im Handy zu empfangen, gerne nutzen würde. Die strategische Ausrichtung von BigFM ist damit klar umrissen. Regelbetrieb auf UKW und im Web, Experimente im Mobiltelefon.

RSH und Delta mit DAB-Kurzvisite

In Norddeutschland, nicht gerade eine Musterregion in Sachen Digital Radio DAB, sind die Privatradios RSH und Delta einfach ausgestiegen. Die Lizenzen, gültig bis 31.12.2007, wurden kurzerhand zurückgegeben. Keine Überraschung: Die Lizenzen wurden im Mai 2004 zugesprochen, aber erst am 1.6.2005 bequemte man sich auf Sendung zu gehen. Hier war offenbar schon die Lizenzierung keine Überzeugungstat, sondern bestenfalls eine theoretische Option, ins Digitale zu wechseln. Aber wozu überhaupt? UKW geht doch.

Die Strategiepapiere der Privaten, das oberflächliche Gerangel um eine gerechte Verteilung der digitalen Kapazitäten im Digital Radio zwischen kommerziellen und öffentliche-rechtlichem Hörfunk, alles reines Theater. Wie sonst ließe sich die Taktik deuten, per Verbandspressemeldung zu verlautbaren, die Privatradios rüsten sich für das digitale Zeitalter und kaum vier Monate später die DAB-Segel zu streichen.

Medienanstalten sollten Fördern und Fordern

Auch den Landesmedienanstalten kann man kein gutes Zeugnis ausstellen. Es gäbe mehr regulatorische Stellschrauben, als eine Subventionsstreichung. Ein Moratorium für neue UKW-Frequenzen oder die Lizenzverlängerung nur bei zeitgleicher terrestrischer Digitalausstrahlung würden das Ende des Analogradios einläuten und einen Migrationsprozess auf den Weg bringen, der beim Verbraucher ankommt. Solange sich in Deutschland niemand an strukturelle Veränderungen wagt, sind Prognosen für die Digitalisierung des Radio ähnlich präzise wie Bauernregeln: Das Radio ändert sich, oder´s bleibt wie´s ist.