Radio durch Streamingdienste unter Innovationsdruck


Niels Gründel 31. Oktober 2016

(München/MT)

Der Einfluss von Audio- und Streamingdiensten wie Amazon, Spotify & Co insbesondere auf die junge Hörfunk-Zielgruppe sei immens, sagte Helen Boaden, die scheidende Direktorin von BBCDie British Broadcasting Corporation ist eine britische Rundfunkanstalt. Radio und Präsidentin der European Digital Radio Alliance (EDRA), in ihrem Impulsvortrag bei den Medientagen München. Die Radiobranche müsse sich gegen die neuen Player auf dem Audiomarkt wappnen, indem sie an Innovationen arbeite, um Hörfunk neu zu definieren. Darin waren sich auch die Teilnehmer der anschließenden Podiumsdiskussion einig.

Streamingdienste wie Spotify & Co werden bei der jungen Zuhörerschaft immer beliebter. Die Nutzungsdauer dieser Angebote steige zu Hause stark an und könne sogar dem klassischen Radiohören im Auto zunehmend Konkurrenz machen, berichtete Helen Boaden. Laut einer BBCDie British Broadcasting Corporation ist eine britische Rundfunkanstalt.-Studie würden 48 Prozent der Hörer zwischen 15 und 24 Jahren ihre Hörgewohnheiten im Auto verändern, wenn sich das Smartphone schnurlos mit dem Auto verbinden ließe. Hier besteht nach Ansicht der BBCDie British Broadcasting Corporation ist eine britische Rundfunkanstalt.-Direktorin akuter Handlungsbedarf, denn „wenn die Jungen die Verbindung zum Radio verlieren, wird es schwer sie wieder zurückzugewinnen“, betonte Boaden.

Wie muss sich die Hörfunk-Branche also für die Zukunft aufstellen, um weiterhin eine Rolle bei der jungen Zielgruppe zu spielen? Helen Boaden fasst die BBCDie British Broadcasting Corporation ist eine britische Rundfunkanstalt.-Strategie in drei Worten zusammen: „Listen, Look, Share“. Hörfunk müsse auf allen Plattformen und Social-Media-Seiten im Internet vertreten sein, denn das steigere die Chancen, von Hörern live und on Demand gehört zu werden. Relevant seien auch Video-Plattformen („Look“), denn visueller Content steigere die Reichweite, auch bei der älteren Zielgruppe. Der Videocontent müsse jedoch kurz und „sharable“ sein, also als Inhalt für sich und auf allen anderen Plattformen „funktionieren“, sodass Videos häufig geteilt werden könnten. Zusätzlich setzt die BBCDie British Broadcasting Corporation ist eine britische Rundfunkanstalt. auf Apps, die für Hörer zum Beispiel ein personalisiertes Radioprogramm zusammenstellen.

Was Helen Boaden trotz der Konkurrenz aus dem Internet positiv stimmt, sind zum Beispiel die guten Fortschritte im Bereich DAB. Dadurch erreiche die BBCDie British Broadcasting Corporation ist eine britische Rundfunkanstalt. Rekordzuhörerzahlen von rund 44 Prozent bei der digitalen Nutzung. Davon mache die Nutzung über DAB 30 Prozent aus. Auch sei die ältere Zielgruppe, die nach wie vor gerne Radio höre, eine sehr loyale Zuhörerschaft, die zudem zahlungskräftig sei, referierte Boaden. Sie forderte die Hörfunk-Branche zu einer intensiveren Zusammenarbeit auf. Nur durch Kooperationen könne man die neuen, digitalen Herausforderungen meistern. Christoph Falke und Sven Rühlicke sehen das auch so. Das Medium Hörfunk gerate durch die Streamingdienste zunehmend unter Druck, daher müsse man mit Innovationen auf das geänderte Nutzungsverhalten reagieren, wünschte sich Sven Rühlicke. Ein Aspekt, der dabei zukünftig eine Rolle spielen könnte, sei das Thema Sprachsteuerung („voice control“), blickte Christoph Falke in die Zukunft.