Albrecht DR-315: Der Multinorm-Versteher


Mario Gongolsky 10. Dezember 2008

(rh)
Albrecht DR-315
Albrecht DR-315

Das Internet-, DAB-, und UKW-Radio Albrecht DR-315 vermittelt Zukunftssicherheit. Welches Radiosystem kommt oder geht, das DR-315 bleibt auf Empfang.

Technisch ist das Albrecht DR-315 keine Magerkost. In seinem Inneren werkelt der Venice 6-Chipsatz von Frontier Silicon und der kann eigentlich alles: Im Webradiobereich verarbeitet er ein breites Spektrum von Audiostreams, beim Digitalradio DAB versteht er nach einem Softwareupdate nicht nur das heute gebräuchliche DAB-Audioübertragungsverfahren auf MPEG-1-Basis, sondern auch das demnächst startende DAB+ mit MPEG-4-AAC+ als Toncodierung.

Wieder täuschen die Pressefotos. Das DR-315 ist kein kompakt-zierliches Mäuschen , sondern eine stattliche schwarze Holzkiste. Okay, eine Kiste mit gerundeten Ecken und schwarzen Pianolack, doch das Designthema ist schon ein wenig überstrapaziert. Dennoch: In der Wuchtbrummengröße wirkt es aber recht charmant.

Bitte mal malen....

Archetypus des Radios„Malen Sie mir ein Radio, Sie haben genau 15 Sekunden!“ Was kommt bei Ihnen heraus? Also bei mir ist es das hier: Ein runder Knopf links, ein runder Knopf rechts, dazwischen eine Radioskala und darunter eine kleine Leiste mit Tasten. Die Frontplatte des DR-315 sieht genauso aus, nur das Albrecht dem Radio drei Zeilen mit Tasten spendiert hat.

Die Radioskala, beim DR-315 in Form eines blauen Digitaldisplays vorhanden, ist nicht nur in der Proportion zum Radio klein ausgefallen. Es hat nur zwei Zeilen und relativ kleine Schrift. Die Knöpfe und Tasten hingegen nehmen bequem Platz auf der Frontplatte ein und sind dementsprechend groß.

Großzügiges TastenfeldWährend der Qualitätseindruck im Wesentlichen gut ist, stören wir uns einzig am lose auf der Achse steckenden Abstimmknopf. Das sollte man besser hinkriegen können. Oben kauern unter einer Metallabdeckung zwei relativ kleine Lautsprecher, hinten gibt es neben einer Teleskopantenne mit vollversenkter Verschraubung, einem Cinch-Line-Out, eine Ethernet-Kabelbuchse, einen dreistufigen Schalter zum Regeln der Displaybeleuchtung und einen Schalter, um die internen Lautsprecher abzuschalten. Eine Fernbedienung gibt es hingegen nicht.

Empfangsstark auf allen Wellen

Eine gute Vorstellung gibt das DR-315 beim Empfang. Ganz egal ob DAB, UKW oder WLAN, die Empfangsleistung ist durchgehend gut. Der DAB-Empfang gelingt ohne Aussetzer, selbst an Orten, in der sich viele DAB-Radios zu viele Signalfehler einhandeln und „blubbern“. An UKW-Selbstverständlichkeiten wie BFBS und SWR3SWR3 ist das dritte Hörfunkprogramm des Südwestrundfunks. Das Programm wird in Baden-Baden produziert, wobei zusätzlich mehrere regionale Studios bestehen. Hervorgegangen ist das Programm aus der Senderfusion des SDR und des SWF zum Südwestrundfunk aus den beiden Vorgängern SDR 3 und SWF3. hält sich der DR-315 gar nicht erst auf, sondern bietet rauschfreie Wiedergabe. Die Empfindlichkeit ist insgesamt, ebenso wie die Trennschärfe Mittelmaß. Ein schwacher Sender sollte so neben einem stark einfallendem Signal besser 200 kHz Sicherheitsabstand halten. Die RDS-Auslesung erfolgt dafür aber schnell und zuverlässig.

Ordentlicher Tischradioklang

2 Lautsprecher unterm GrillAus den geräumigen Holzgehäuse resultiert eine relativ ausgewogene Tonwiedergabe. Bei Aufstellungen mit etwas Abstand zur Wand verschafft das hinten angebrachte Bassreflexrohr mehr Fülle im Tieftonbereich. Man mag allerdings darüber streiten, ob nicht vielleicht ein ovaler Breitbandlautsprecher die bessere Wahl in Sachen Tieftonwiedergabe gewesen wäre. Die zwei oben strahlende Lautsprecher erzeugen jedenfalls keine überzeugende Stereodarstellung. Dafür ist der maximal erreichbare Schalldruck schon geradezu brutal. Bei höheren Lautstärkepegeln fallen Klangverfärbungen im Mittel-Hochtonbereich stärker auf. Schlagblech und Blasinstrumente wirken dadurch etwas unnatürlich.

Insgesamt betrachtet, ist die Klangabstimmung des Albrecht DR-315 aber sehr wohl gelungen.

Anlauf für das Webradio

Eigentlich beginnt alles wie immer. Netzwerksuche, Schlüsseleingabe und los geht´s. Allerdings hatten wir im ersten Augenblick die Eingabetechnik für den WPA-Schlüssel nicht ganz verstanden. Der große Drehknopf bringt einen immer 10 Zeichen weiter, die Feinjustierung zur Buchstabenauswahl wird über die Pfeiltasten vorgenommen. Wenn man das verstanden hat, geht eine solche Eingabe, die auch für die Datenbanksuche verwendet wird, tatsächlich etwas schneller von statten.

Fest verschraubte AntenneWir brachen die Schlüsseleingabe ab und das Radio lief sich beim Verbindungsversuch fest. Der Versuch den Netzwerk-Wizard neu zu starten schlug ebenso Fehl und selbst ein harter Reset über das Stromnetz kurierte das Problem erst, als es gelang das Radio im UKW-Modus zu schalten und dann von Netz zu trennen.

Nachdem die Inbetriebnahme schließlich glückte verwöhnte uns das Albrecht DR-315 mit der schnellen Datenbankverfügbarkeit und der rasanten Menüführung. Eine Eigenschaft die man wohl als Frontier-Silicon-typisch betrachten muss. Die Sender-Datenbank ist inzwischen so groß geworden, dass man die Genreauswahl bei jeden Land mit angeboten bekommt. Podcasts haben eine eigene Rubrik und insgesamt kann so sicher kein Anlass zu Klage aufkommen.

Die Auswahl von Musikstücken die von einem PC ausgelesen werden sollen, geht schnell und einfach von der Hand. Das Radio lädt die Verzeichnisstrukturen von der Festplatte ins Radio und liest dann die Titel zur Widergabe ein. Gegenüber der derzeit vorherrschenden Reciva-Technik mit Windows-Shares umzugehen, ist das eindeutig schneller und unproblematischer.

So ganz überzeugt hat uns die Stabilität der Softwareversion V 1.2.3-13357-1A1Alpha2 allerdings nicht. Ein Festlaufen der Software attestierten wir im Testverlauf immer dann, wenn ein Sender nicht erreicht werden konnte. Manchmal meldete das DR-315 einen Verbindungsfehler, und gibt die Software sofort wieder frei, manchmal zieht die Software selbst die Reißleine und vollführt einen vollautomatischen Neustart, doch auch ein völliges Festlaufen haben wir beim Durchtesten langsamer Webradioverbindungen nach Afrika und Asien immer wieder erlebt.

Bedienung: Menu oder á la carte?

Hemdsärmelig: 3-Stufen-Displaybeleuchtungsregelung auf der RückseiteDass das Display nur zwei Zeilen hat, ist allemal bedauerlich. Bedient werden all diese Geräte über Auswahlmenüs und das Abstimmrad. Eigentlich eine erprobte und bewährte Sache. In einem Mehrzeilen-Display erkennt man allerdings intuitiver, in welche Richtung man drehen soll. Die Menüstruktur zur Radiobedienung ist leicht zu durchschauen. Aber man kann auch ziellos durch die Menüs irren.

Wecker stellen, oder Schlummertimer verwenden? Bis Sie den gefunden haben, sind Sie längst eingeschlafen. Man gehe in das Main-Menü, darauf muss man erst mal kommen! Von dort geht es ins System-Setup, in dem man eigentlich irgendwelche Experteneinstellungen vermutet, bei denen man dem Durchschnittsnutzer empfehlen würde, nur nix zu verstellen. Das System-Setup führt ins Time-Setup; aha, das klingt doch gut und dort findet man dann zwei Alarmtimer und eine Schlummer-Einstellung.

Die Bediensprache lässt sich von Englisch nicht auf Deutsch umschalten. Einzig die im Prinzip brauchbare deutsche Bedienungsanleitung bietet hier Übersetzungshilfen, wobei auch das mitunter gefährlich werden kann, zum Beispiel, wenn die Illustration das Wort Username verwendet, während der Text von einem Freigabenamen spricht.

Hurra, ein Radio-Radio-Radio

Wer auf der Suche nach einem gut klingenden Tischradio ist, mit dem man der Zukunft des Radios gelassen ins Auge blicken kann, erhält mit den Albrecht DR-315 einen grundsoliden Partner. Das DR-315 ist ein Radio, das sich nicht künstlich als Stereoanlagen-Ersatz aufspielt. Dafür kann es Internetradio, Podcasts, UKW mit RDS-Anzeige und das digitale Antennenradio nach dem DAB-Standard von heute und morgen. Der voluminöse Klang aus den großen Holzgehäuse ist in jedem Fall serienmäßig. Die kleineren Unzulänglichkeiten sind durchweg an die Bediensoftware gekoppelt und hier kann mit einem Softwareupdate plötzlich alles kuriert werden: Menüs lassen sich entrümpeln, deutsche Bediensprache kann nachgereicht werden und auch noch Funktionen, von denen man heute noch gar nicht wissen kann, dass es sie einmal geben wird.

Steckbrief

  • Empfang von UKW (mit RDS), DAB / DAB+ und Internet-Radio (LAN / WLAN)
  • Streaming von Computern im Netzwerk (Playlisten und Podcasts werden unterstützt) WMA, MP3, Real, kein DRM-Support
  • Integrierte WLAN Antenne
  • Netzwerk-LAN-Buchse
  • Serverzugang mit Webinterface zum Einrichten eigener Internetradio-Listen
  • uPnP Unterstützung
  • WLAN Sicherheit: WEP, WPA, WPA2
  • Frequenzen: Band III: 174 ~ 240 MHz, UKW-Band: 88 – 108 MHz
  • Manuelle/automatische Sendersuche
  • Datumsanzeige, Uhrzeit
  • Wecker und „Sleep“ Modus
  • Programmtyp, Name und Empfangsqualität werden im Display angezeigt
  • Teleskopantenne
  • Stromversorgung: Netzteil
  • Ausgangsleistung: 5W x 2 RMS/CH
  • Stromverbrauch: Betrieb WLAN 6 Watt, DAB 6,2 Watt, UKW 6,2 Watt, Standy by 5,5

 

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